Layla (Colleen Hoover, 2020, dtv-Verlag)

Layla (Colleen Hoover, 2020, dtv-Verlag)

Was passiert nach dem Tod? Gibt es eine Chance, dass die Toten noch einmal zu uns zurückkehren?

Auf der Hochzeit ihrer Schwester lernen Layla und der Musiker Leeds sich kennen und lieben. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie scheinen zusammenzupassen wie die Faust auf’s Auge. Sie leben den Traum vieler Jugendlicher, bis Layla Opfer eines Attentats von Leeds‘ eifersüchtiger Ex-Freundin wird. Nach diesem Tag ist Layla nicht mehr dieselbe und gerade Leeds fühlt sich immer weniger mit ihr verbunden. Um ihre Beziehung zu retten, hat er die Idee, das Haus, in dem sie sich kennengelernt haben, zu mieten, damit sie dort einen entspannten Urlaub verbringen können. Doch in diesem Haus scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch Laylas Zustand verschlechtert sich eher, als dass er sich verbessert. Damit er Layla nicht völlig verliert und er ihr beider Leben wieder ein eine einigermaßen annehmbare Bahn lenken kann, muss Leeds jedoch zu außergewöhnlichen und zweifelhaften Mitteln und Methoden greifen …

„Layla“ ist mal eine etwas andere Geschichte von Colleen Hoover. Ich wurde während des Lesens ehrlich immer wieder überrascht, weil ich mit einigen Ereignissen oder auch Wendungen in der Handlung echt niemals gerechnet hätte. Aber gerade deshalb fand ich es super! Es war nicht das übliche Liebes-Drama, was wir sonst von ihr kennen (und lieben 😉), sondern es gab einen tieferen Hintergrund, den der Leser erst Stück für Stück, zusammen mit Leeds erfasst hat. Es war also, anders als vielleicht einige andere ihrer Romane, ganz und gar nicht vorhersehbar, was als nächstes passiert und ich bin von dem Ende echt überrascht gewesen, gerade weil ich irgendwann an dem Punkt war, an dem ich mir kein Ende mehr ausmalen konnte. Für mich persönlich war es also eine tolle Leseerfahrung!

Insgesamt hat mir besonders gefallen, dass der Roman aufgebaut ist wie ein Rätsel, denn wer kennt sich schon mit verschiedenen Ebenen und Welten aus, in denen wir mit anderen möglichen Lebewesen oder Wesen zusammenleben …? Etwas spirituell – wer hätte es von Colleen Hoover gedacht, aber deshalb umso abwechslungsreicher und spannender. Und zwischendurch auch ganz schön gruselig …

Ich kann euch den Roman wirklich ziemlich uneingeschränkt empfehlen. Den Colleen Hoover – Lesern sowieso, aber auch denen, die davon sonst nicht so angesprochen sind, weil es wirklich einen anderen Kern hat!

Lena

Könnt ihr euch vorstellen, dass es in parallelen Ebenen zu unserer Welt auch noch Leben geben kann? Und hättet ihr gedacht, dass der Roman noch so ein Ende nehmen kann?

The Kissing Booth (Beth Reekles, 2019, ctb-Verlag)

The Kissing Booth (Beth Reekles, 2019, ctb-Verlag)

“Wenn es ist, was du willst, bin ich für dich da, wenn es vorbei ist. Ich werde immer für dich da sein.“ (Lee zu Elle)

Elle Evans hat einen besten Freund: Lee Flynn. Sie gehen in dieselbe Klasse in der Schule, wohnen nur 10 Minuten zu Fuß voneinander entfernt, sind am selben Tag geboren und haben quasi ihre gesamte Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Eines Tages steht dann ein Schulfest an, wofür sie als Mitglieder der Schülervertretung einen Stand organisieren sollen. Nach einigem Überlegen kommen sie auf eine „Kissing Booth“. Genial! Doch wegen eines Notfalls muss Elle sich auf dem Fest plötzlich selbst in die Box stellen, und Küsse verteilen. Dabei hätte sie niemals gedacht, dass sie ihren ersten Kuss ausgerechnet in einer „Kissing Booth“ auf einem Schulfest von dem extrem heißen und allseits begehrten Bruder ihres besten Freundes bekommen würde … Noah Flynn, der Quarterback der Footballmannschaft und in mehr Gerüchte und Geschichten verstrickt, als ihm guttut.

Doch als Elle sich eingestehen muss, dass dieser Kuss nicht ganz spurlos an ihr vorbeigegangen ist, steht sie vor einem viel größeren Problem: Wie erzählt man seinem besten Freund, dass man in dessen großen Bruder verschossen ist? Und will Elle das überhaupt? Wo Noah doch echt keinen guten Ruf hat und im kommenden Jahr auf’s College gehen wird? Und will sie dafür ihre Freundschaft mit Lee auf’s Spiel setzten?

Ich habe mich lange dagegen gesträubt, diese Reihe zu lesen, da ich sie ehrlich gesagt als billige Netflix-Serie abgetan hatte. Aber irgendwann hat mich die Neugier dann doch gepackt und ich wollte wissen, was denn nun an der Geschichte so toll ist. Und ehrlich gesagt wurde ich echt überrascht. Das Beste ist der einzigartige Humor. Die Freundschaft zwischen Elle und Lee ist echt beneidenswert und ich hoffe, nicht einzigartig. Denn die beiden verbindet so viel, dass sie wie die Faust auf’s Auge zusammenpassen und perfekt harmonieren. Es ist ziemlich witzig, mit den beiden in der Schule oder zum Beispiel am Pool zu sein und Noah zu ärgern, aber gleichzeitig ist die brüderliche Beziehung zwischen den Flynn-Geschwistern beeindruckend. Doch neben dem Humor, sticht auch der Ernst dieser Geschichte heraus. Die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Elle und ihrem Vater ist wunderschön zu verfolgen („Ich möchte nur nicht, dass du irgendwas Dummes machst.“ „Und zwar? Wieder mit ihm zusammen sein?“ „Nein, dir nochmal das Herz brechen lassen.“), gerade vor ihrem familiären Hintergrund … Ein dritter Punkt, denn ich faszinierend fand, war die Tatsache, wie die Protagonisten mit der Zeit gewachsen sind, offensichtlich älter wurden und von Teenagern zu jungen Erwachsenen geworden sind („Vielleicht war alles genau so, wie es sein sollte. Vielleicht fügte sich alles perfekt zusammen.“)

Mein Fazit fällt also sehr viel besser aus, als ich es jemals erwartet hätte. Vor dem dritten Teil habe ich ganz kurz gedacht, puh, vielleicht hätten zwei auch gereicht, aber jedes Buch hatte etwas für sich und ich will das Leseerlebnis des letzten Bandes eigentlich am wenigsten von allen missen! 😊 Also: Top, manchmal denkt man sich vielleicht, „so schwer kann es doch nicht sein“ oder „die Lösung liegt doch auf der Hand“, aber das gehört ja auch irgendwie zu solchen Geschichten dazu!

Lena

Wer hat so eine Freundschaft, wie die zwischen Elle und Lee selbst erlebt? Mögt ihr davon erzählen? Und hättet ihr es gewagt, eure Freundschaft auf’s Spiel zu setzten?

Wenn Liebe eine Farbe hätte (Leonie Lastella, September 2020, dtv-Verlag)

Wenn Liebe eine Farbe hätte (Leonie Lastella, September 2020, dtv-Verlag)

„Manchmal kommt es nicht darauf an, was wir sagen, sondern was wir bereit sind, zu tun.“

Bevor David sich urplötzlich von Everly trennte, waren die beiden seit Jahren das perfekte Paar. Sie liebten sich und allen war klar, dass diese beiden jungen Erwachsenen später in einem Einfamilienhaus mit Kindern und einem weißen Gartenzaun leben würden. Tja, getäuscht. Everly, die in ihrer Unsicherheit, was sie darüber denken soll, niemanden hat, an den sie sich wenden kann oder möchte, braucht nun unbedingt einen Job und einen neuen Mitbewohner, damit sie die Wohnung behalten kann, die ihr unheimlich viel bedeutet. Ihre scheinbar einzige Chance ist es, eine Stelle im „Beach-Café“ anzunehmen, da sie irgendwie ihren ziemlich vollen Alltag managen muss und sie so flexibel bleibt. Allerdings gibt es auch einen dicken Haken, der Weston heißt, Everlys ehemaliger Mitschüler ist, dem sie den aufregendsten Kuss ihres Lebens zu verdanken hat und der leider ebenfalls in besagtem Café arbeitet. So weit so gut, sie arrangieren sich, bis Weston plötzlich aus seiner Wohnung geworfen wird und ihm eigentlich nur eine undenkbare Möglichkeit bleibt: Bei Everly einziehen …

Dieser Roman hat mir unglaublich gut gefallen und war eine wunderbare Ferienlektüre! Leonie Lastella hat viel Humor, Ernsthaftigkeit, Freude, Angst, Liebe und Wut im Gepäck. Es ist unheimlich mitreißend, Everly dabei zu begleiten, ihr bisher so geordnetes Leben, das völlig aus der Bahn geraten ist, langsam wieder aufzubauen und auch Weston verbirgt etwas, wovon er selbst noch erfahren muss, was es eigentlich ist. Aber hängt dieser Punkt eventuell mit der Tatsache zusammen, dass er schlichtweg nicht in der Lage zu sein scheint, zu lieben? Liebe ist für ihn ein Luftschloss, in dem langweile Paare wie Everly und David verrotten, aber ist das wirklich so? Daneben lernt man auch als Leser zusammen mit Everly in diesem Roman viel über Freundschaft, Geduld, Kompromisse und das Leben.

Man könnte meinen, dass dieser Roman ein weiter von einer Reihe schnulziger Liebesgeschichten ist, aber vergessen wir nicht, dass Weston nicht an Liebe glaubt. 😉 Es war das erste Buch, das ich von Leonie Lastella gelesen habe, aber ich freue mich schon, wenn ich die Zeit finde, mir auch die anderen Romane zu vorzunehmen, es ist echt eine Bereicherung! Vor allem, wenn es plötzlich nicht mehr heißt: „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, dann mach Limonade draus.“, sondern die Aufforderung auf einmal lautet: „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, besorg Tequila und Salz.“ Vielleicht bin hier ja nicht die einzige, die dabei an ein paar Freunde denken muss und ein Grinsen im Gesicht hat. 😉

Insgesamt kann ich nur sagen, dass es ein echt süßer Roman ist, ich definitiv Lust auf mehr habe und euch dieses Buch wärmstens ans Herz lege, wenn ihr Lust auf eine leichte Lektüre mit ein wenig Herzschmerz, aber auch Tiefsinn habt.

Lena

Muss eine Beziehung eurer Meinung nach perfekt sein? Und wie hättet ihr an der Stelle von Everlys Oma gehandelt? …

The Daughter of the Pirate King (Tricia Levenseller; 2017 – Square Fish)

The Daughter of the Pirate King (Tricia Levenseller; 2017 – Square Fish)

Fantasy-Romane sind toll, um andere Welten zu entdecken und in Geschichten einzutauchen, die ganz anders sind als unser Alltag. Trotzdem werden auch in ihnen oft Themen aus unserer Realität aufgegriffen: Umweltschutz, Rassismus oder Feminismus zum Beispiel. Als Kind lernt man schnell, dass Piraten so ein Jungsding sind. Nicht in diesem Roman. Denn auch Frauen können stark und geschickt im Kämpfen und Pläne Schmieden sein. Alle diese Eigenschaften besitzt die 17-jährige Alosa – die Tochter des Piratenkönigs.

Als Alosa entführt wird, ist der Triumph der Feinde groß. Mit der Tochter des Piratenkönigs Kalligan höchstpersönlich werden sie nicht nur an viel Lösegeld kommen, sondern vielleicht auch endlich die geheimen Quartiere Kalligans aufspüren können. Was Draxen und seine Männer, Alosas Entführer, nicht wissen: Alosa hat diese Entführung selbst geplant und in die Wege geleitet. Dies war die einzige Möglichkeit, um an Bord der „Night Farer“, Draxens Schiff, zu kommen. Denn dieses Schiff birgt einen besonderen Schatz.

Einmal an Bord wird Alosa allerdings zunächst in eine Zelle gesteckt, und sie wird von Draxens kleinem Bruder Riden verhört. Dabei stellt sich heraus, dass Riden deutlich mehr Gehirnmasse als sein Bruder besitzt und damit eine größerer Gefahr für Alosa darstellt. Doch Alosa hat so einige Asse im Ärmel. Beispielsweise gelingt es ihr, an den Schlüssel zu ihrer Zelle gelangen. Dadurch kann sie die erste Nacht nutzen, um die „Night Farer“ zu erkunden. Trotz ihrer Vorsicht wird sie dabei erwischt. Ausgerechnet von Riden. Dieser ergreift sofort Gegenmaßnahmen und postiert Wachen vor Alosas Zelle. Allerdings erwähnt er Alosas Ausbruch seinem Bruder gegenüber nicht. Was verheimlicht er?

Glücklicherweise hat Alosa noch einige Tricks parat. Schließlich wurde sie von ihrem Vater höchstpersönlich trainiert und dies ist nicht ihre erste Mission. Mehrere Nächte lang kann sie das Schiff weiterhin erkunden. Doch trotz all ihrer Bemühungen, unentdeckt zu bleiben, kommt ihr Riden immer wieder in die Quere. Hat er etwas gemerkt? Wie kann sie es bloß anstellen, so zu wirken, als wenn sie entkommen wollte, obwohl sie auf dem Schiff bleiben möchte?

Ein toller Fantasy-Roman, um einfach mal in eine andere Welt einzutauchen. Alosa wird als Frau oft unterschätzt und nicht ernst genommen. Trotzdem setzt sie sich durch und kann die Vorurteile manchmal sogar zu ihrem Vorteil nutzen. Diese feministischen Züge an der Geschichte haben mir sehr gut gefallen. Außerdem hat Tricia Levensteller noch weitere Handlungsstränge in die Geschichte mit eingebaut, die mich teilweise überrascht haben. Der Roman ist spannend und man fiebert mit. Zudem gibt es auch eine Liebesgeschichte, die aber passend zu dem Bild einer unabhängigen und eigenständigen Frau klein gehalten wird und nicht kitschig dargestellt ist. Die Geschichte kann man wunderbar in den Ferien lesen.

Majlis 

Wie steht ihr zu Feminismus in Fantasy-Büchern? Findet ihr es wichtig Alltagsthemen in fiktive Romane mit einzubauen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, oder hättet ihr beim Lesen lieber eine Pause vom Alltag?

The Daughter of the Pirate King ist bisher noch nicht auf deutsch erschienen. 

Die Schule am Meer (Sandra Lüpkes; 2020; Rowohlt-Verlag)

Die Schule am Meer (Sandra Lüpkes; 2020; Rowohlt-Verlag)

„Es war das Los der Lehrer, dass das Erreichen des Ziels zugleich auch den Abschied bedeutete.“

1925 wird auf der kleinen Insel Juist zwischen Wattenmeer und Nordsee von ein paar Lehrern die „Schule am Meer“, die erste reformpädagogische Schule in Deutschland, gegründet. Mit dabei sind Anni und Paul Reiner, die ihr ganzes Herzblut in die Errichtung des Internats stecken. Der Fokus soll auf dem gleichberechtigten Miteinander und dem praktischen Lernen im Einklang mit der Natur liegen. Sogar der große deutsche Dirigent Eduard Zuckmayer kommt als Musiklehrer auf die Insel, da die Schule Lehrern sowie Schülern eine Chance, und die Insel ihnen ein Zuhause bietet.

Doch auch die kleine, von der Welt abgeschottete Insel, auf der die Zeitung immer erst zwei Tage zu spät ankommt und die im Winter bei eisiger Kälte keine Möglichkeit hat, sich zu versorgen, wird von der Entwicklung in der Politik eingeholt. Und so ist man sich auf der Insel nicht einig, was man von der Schule halten soll, die bei vielen auch als „Hort für Kommunisten und Juden“ verschrien ist. Und so drohen jahrelange Arbeit der Gemeinschaft langsam auseinanderzubrechen …

Die Autorin, die selbst auf Juist aufgewachsen ist, hat in diesem Roman die Geschichte einer Schule festgehalten, die zu großen Teilen vergessen oder links liegen gelassen wurde. Auf ihrer Recherche-Reise ist sie den Lehrern und Schülern ins Tessin, nach Berlin und natürlich nach Juist gefolgt und hat die Schule am Meer wieder aufleben lassen. In dem Roman erzählt sie die Geschichte im Wechsel aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten, und so kommt sowohl die Familie Reiner, wie auch der Schüler Moskito, das Küchenmädchen (und vieles anderes) Marje und der (unter anderem) Gemeindediener Gustav Wenninger „zu Wort“. Durch diesen Wechsel bekommt der Leser ein sehr eindrucksvolles Bild der verschiedenen Ansichten und Meinungen auf der Insel und auch von der Grundstimmung, die dort herrschte und die die Menschen geprägt hat. Die Geschichte basiert in erster Linie auf dem Logbuch der Schule, das der Schulleiter Luserke sehr penibel führte.

Insgesamt ist der Roman lebhaft, gefühlvoll und beschreibend geschrieben, wodurch man beim Lesen ein unglaublich gutes Bild der Umstände bekommt, sich aber gleichzeitig sehr gut in die Situation der einzelnen Kinder und Lehrer hineinversetzten kann. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und konnte dieses etwas dickere Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Eine echte Ferienlektüre für jedermann!

Lena

Wärt ihr gerne auf die Schule am Meer gegangen? Und wie hättet ihr euch an Annis Stelle verhalten, als sie vor der schweren Entscheidung stand, wie sie ihre Zukunft gestalten soll?

Was wir zu hoffen wagten (Michaela Saalfeld; Juli 2018; Lübbe-Verlag)

Was wir zu hoffen wagten (Michaela Saalfeld; Juli 2018; Lübbe-Verlag)

„Das war’s. Es ist mein Leben und ich will damit anfangen, was gut für mich ist.“

Berlin, 1912: Felice, Willi und Ille, drei Geschwister, die zwei Jahre vor dem Ausbruch des großen Krieges in ihrem ihnen von der Gesellschaft aufgezwungenen Leben gänzlich unzufrieden sind. Felice, eine außergewöhnlich begabte Jurastudentin, wird nicht zum Vorbereitungsdienst und damit auch nocht zum zweiten Staatsexamen zugelassen, nur weil sie eine Frau ist. Somit bleibt der nach Gerechtigkeit strebenden jungen Frau auch verwehrt, Rechtsanwältin zu werden. Willi, sowohl von der Welt des Films als auch von der jüdischen Schauspielerin Recha Süßapfel fasziniert, soll unbedingt das eigentlich nicht mehr zu rettende väterliche Bankgeschäft übernehmen. Und Ille, die jüngste der drei, wünscht sich nichts mehr, als von ihrer Familie und vor allem von ihrer großen Schwester geliebt zu werden. Doch statt in ihrer geborgenen Traumwelt zu leben, ist die in einer Ehe mir einem brutalen Mann gefangen und dringt mit ihren Worten nicht zu ihrer Schwester durch …

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden die Leben aller drei Geschwister gewaltig auf den Kopf gestellt, ihr Blick aufeinander verändert sich und Familie bekommt eine ganz neue Bedeutung. Könnte die junge Republik eventuell ihre Chance auf ein neues Leben sein?

Mit hat der Roman unglaublich gut gefallen! Michaela Saalfeld setzt den Fokus nacheinander auf die verschiedenen gesellschaftlichen Probleme, denen sich die Geschwister zu stellen haben. Dadurch ist es zwar nicht möglich, immer alle im Blick zu behalten, da gerade während des Krieges nur die Front oder das Leben in der Heimat sinnvoll und ausführlich thematisiert werden kann, jedoch wird dies ausgeglichen durchhervorragende Recherche und ein exzellent vermitteltes Fachwissen. Die Historikerin und Autorin sagt selbst, dass sie sich mit diesem Roman ihren größten Wunsch erfüllt habe, eine Geschichte über die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit, über die neunen Medien Fotografie und Film, über die Filmzensur und über mutige Menschen zu schreiben. Ihre Geschichte ist angelehnt an viele einzelne Schicksale, die sie sehr gefühlvoll und faszinierend, wie auch bedrückend zusammengeführt hat. Besonders berührt hat mich Illes Verzweiflung und ihre bedingungslose Liebe zu ihrer Schwester, sowie Willis Liebe zu seinen beiden Schwestern und die Entwicklung, die er zwangsläufig durchmachen muss … Außerdem ziehe ich meinen Hut vor Felices Mut und Kraft, für Gerechtigkeit einzustehen, von ihr könnte sich damals wie heute so manch einer eine Scheibe anschneiden.

Der Roman hat mich sofort angeregt, die Sammlung der Artikel der „Wipers Times“, der Schützengrabenzeitung der Engländer in Ypern, sowie den folgenden Teil dieser Geschichte zu lesen … ich bin gespannt!

Lena

Was glaubt ihr, wie geht es mit den Geschwistern weiter? Können sie sich ihre Träume erfüllen?

Der Gesang der Flusskrebse (Delia Owens; 2018 – Heyne)

Der Gesang der Flusskrebse (Delia Owens; 2018 – Heyne)

„Kya erinnerte sich daran, dass Ma sie andauernd ermutigt hatte, die Marsch zu erkunden: ‚Geh soweit du kannst – bis dahin, wo die Flusskrebse singen.‘ “

Als der junge und sportliche Chase Andrews am Morgen des 30. Oktober 1969 tot am Fuß des alten Feuerwachturms aufgefunden wird, kocht die Gerüchteküche in dem Küstenort Barkley Cave in North Carolina. Einige behaupten, es wäre ein Unfall gewesen, andere sind sich sicher, dass es sich um einen Mord handeln muss. Eine Hauptverdächtige haben sie auch schon gefunden: das verrückte Marschmädchen.

1952 – Kya ist gerade mal sechs Jahre alt, als ihre Mutter sie, ihren Vater und ihre vier älteren Geschwister verlässt. Die Familie lebt zurückgezogen in einer kleinen Hütte im Marschland etwas außerhalb von Barkley Cave. Kya beschreibt ihren Vater als sehr wütenden Mann, was an seiner Alkoholsucht liegt. So ist es nicht verwunderlich, dass kurz nach dem Verschwinden der Mutter auch drei der älteren Geschwister das Zuhause verlassen. Selbst Jodie, Kyas Bruder, hält es mit dem Vater nicht mehr aus. Immerhin verabschiedet er sich als einziger von Kya, bevor auch er abhaut. 

Um ihren Vater nicht zu reizen, kümmert sich die nun siebenjährige Kya um den Haushalt, kauft Maisgrieß von dem wenigen Geld, das ihr Vater als Kriegsversehrter erhält, und lernt zu kochen. Schule ist nichts für sie, aber immerhin kommt sie mit ihrem Vater ganz gut zurecht und er nimmt sie mit auf seine Bootstouren durchs Marschland. Aber als Kya acht alt Jahre ist, verlässt auch ihr Vater sie. Also fängt sie an, Muscheln zu sammeln und verkauft sie an Jumpin‘, den Besitzer der örtlichen Bootstankstelle. Dessen Frau bekommt mit, dass das kleine Mädchen auf sich gestellt ist, und sammelt ab und zu Kleidung und Gebrauchsgegenstände für sie. Auf bewundernswerte Weise überlebt Kya und schafft es, komplett für sich selbst zu sorgen. Auf einer ihrer Bootstouren lernt sie Tate, einen ehemaligen Freund von Jodie, kennen, der sich mit ihr anfreundet und ihr neue Horizonte öffnet. Doch was machen die Einsamkeit und die Verachtung einer ganzen Stadt mit einem Menschen?

Der Roman ist unglaublich fesselnd! Die Atmosphäre zieht einen in den Bann und man möchte das Buch am liebsten gar nicht mehr weglegen. Die ausführlichen und bedacht formulierten Naturbeschreibungen sind bezaubernd und ästhetisch. Man sieht es quasi vor sich, wie Kya mit ihrem kleinen Boot durch die sonnenbeschienenen Lagunen schippert. Die Spannung des Romans wird dadurch aufgebaut, dass man abwechselnd von Kyas Leben und den Ermittlungen zu Chases Tod erfährt. Das Buch ist zugleich eine faszinierende Lebensgeschichte und eine unglaublich kenntnisreiche Naturschilderung, aber auch ein packender Krimi, der bis zur letzten Seite immer neue Wendungen nimmt.

Majlis

Welcher Aspekt an diesem vielfältigen Roman hat euch besonders gut gefallen? Könntet ihr euch vorstellen, für eine Weile so zu leben wie Kya?

how to (Randall Munroe; 2021 – Penguin Verlag)

how to (Randall Munroe; 2021 – Penguin Verlag)

Wie schafft man es, über einen Fluss zu gelangen? Da gibt es viele Möglichkeiten. Man kann durchwaten oder -schwimmen, ein Boot oder eine Brücke benutzen und – je nach Breite des Flusses – drüber springen. In Ausnahmefällen, wenn der Fluss im Winter gefroren ist, könnte man ganz bequem über die Wasseroberfläche spazieren. Im Sommer könnte das leider nur Jesus. Es gibt aber auch noch andere Ideen, auf die ich nicht gekommen wäre: Beispielsweise mit einem Drachen über den Fluss hinweg fliegen oder den Fluss einzudampfen.

Genau um solche Ideen geht es in dem Buch „how to“. Randall Munroe hat sich (mal mehr, mal weniger) alltägliche Fragen gestellt und diese auf so viele verschiedene Weisen wie möglich beantwortet. Das Buch ist nicht nur ziemlich witzig, da der Autor sehr abgedrehte Ideen vorstellt und das Ganze in einem betont nüchternen Schreibstil verpackt, sondern auch deshalb toll, weil Randall Munroe selbst die komischsten Lösungsansätze erklärt, physikalisch belegt und vorrechnet. Beispielsweise könnte die Singer-Songwriterin Carly Rae Jepsen einen Mikrowellenherd etwa 3,65 m weit werfen.

Besonders gut haben mir die kleinen Zeichnungen vom Autor selbst und die vielen Fußnoten gefallen. Hier ein paar Beispiele:

„Sollten Sie gerade keine 300 Millionen Teekessel haben1…“ –> 1 Weshalb auch immer…

„In der Atmosphäre ist jede Menge Sauerstoff enthalten2.“ –> 2 Stand 2019

„Im Meer gibt es eine Menge Wasser3…“ –> 3 [Beleg erforderlich]

Trotz der bloßen Gedankenspiele lernt man auch einiges beim Lesen und es macht einfach Spaß, außerhalb der Box zu denken. Ich kann das Buch allen empfehlen, die schon immer mal wissen wollten, wie man’s hinkriegt, ein Loch zu graben oder pünktlich zu sein.

Majlis

Welchen Tipp fandet ihr am hilfreichsten?

Felix ever after (Kacen Callender; 2020 – Lyx)

Felix ever after (Kacen Callender; 2020 – Lyx)

Wer bin ich? Eigentlich dachte der 17-jährige Felix Love, dass er diese Frage endlich für sich beantwortet hätte. Er ist ein Junge. Oder etwa nicht? Eine weitere wichtige Frage, die er sich stellt, ist: Bin ich liebenswert? Denn Felix war noch nie verliebt. Was wenn sich nie jemand in ihn verlieben wird?

Felix geht auf eine Kunstschule in New York und sein größter Traum ist es, ein Stipendium für die Brown University zu bekommen. Seitdem seine Mutter ihn und seinen Vater verlassen hat, reicht das Geld nur noch für das Nötigste und ganz sicher nicht dafür, ein Kunststudium zu bezahlen. Aber er hat sich immer noch nicht auf ein Thema für sein Portfolio festgelegt. Das Portfolio soll zeitgleich sein Abschlussprojekt des Schuljahres und seine Bewerbung für die Brown werden, doch mit der Arbeit hat er als einer von wenigen in seinem Acrylmalerei-Kurs noch nicht angefangen …

Dann passiert etwas, das ihn komplett aus der Bahn wirft. Als er morgens in die Schule kommt, muss er feststellen, dass jemand Fotos aus seiner Kindheit aufgehängt hat. Fotos vor seiner Transition. Gemeinsam mit seinem Deadname. Felix ist nämlich transsexuell. Obwohl er stolz darauf ist, möchte er mit seiner Vergangenheit abschließen und am liebsten alles, was ihn an seine Zeit als Mädchen erinnert, aus seinem Leben verbannen. Zum Glück steht ihm sein bester Freund Ezra direkt zur Seite und hängt die Bilder ab. Doch Felix reicht es nicht, dass man sie nicht mehr sieht. Er möchte herausfinden, wer hinter dieser ganzen Sache steckt, und er hat auch direkt schon einen Verdacht: Declan. Declan war mal mit Ezra zusammen und mit Felix befreundet, bis er die beiden von einem Tag auf den nächsten hat hängen lassen und sie seitdem gemein und herablassend behandelt. 

Felix beschließt, Declan eine Falle zu stellen, indem er einen Fake-Account bei Instagram erstellt und Declan anschreibt. Womit er nicht gerechnet hat: Eine ganz andere Seite von Declan zu Gesicht zu bekommen. Einen offenen und gefühlvollen Jungen, mit dem Felix sich stundenlang unterhalten kann. Was soll er davon halten? Auf der Suche nach sich selbst stößt Felix auf viele unerwartete Antworten. 

Felix ever after ist ein unglaublich toller Roman, den meiner Meinung nach alle Jugendlichen lesen sollten. Der Schreibstil ist sehr intensiv und lässt einen die Geschichte hautnah miterleben. Es ist sehr beeindruckend, darüber zu lesen, inwiefern Felix sich hinterfragt und zu welchen Themen er sich Gedanken macht. Zudem wird die Freundschaft zwischen Felix und seinem besten Freund Ezra wunderschön beschrieben und es hat mich sehr fasziniert, wie sehr Felix darüber nachdenkt, ob er überhaupt liebenswert ist. Denn im Alltag erfährt er als PoC (Person of Colour) und transsexueller und queerer Junge viele Anfeindungen, und es beschäftigt ihn täglich, dass seine Mutter die Familie verlassen hat. Auf der anderen Seite gibt es in seinem Freundeskreis viele Jugendliche, die selbst der LGBTQIA+ Community angehören und Felix nicht nur tolerieren, sondern seine Persönlichkeit als selbstverständlich betrachten.

Auch wenn ich mich mit dem Thema schon oft auseinandergesetzt habe, hat dieser Roman bei mir für noch mehr Verständnis und Selbstverständlichkeit gesorgt. Der Autor Kacen Callender ist selbst eine nicht-binäre, transmaskuline Person und wünscht sich, mit diesem Roman Jugendliche zu ermutigen, ihre Identität zu hinterfragen und zu finden. Der Roman ist super aktuell und ich kann allen nur empfehlen, dieses Buch zu lesen.

Majlis

Hat euch Felix’ Geschichte auch so berührt? Kanntet ihr schon alle in dem Roman genannten Informationen zum Thema LGBTQIA+, oder gab es auch Dinge, die neu für euch waren? 

Man vergisst nicht, wie man schwimmt (Christian Huber; 2022 – dtv)

Man vergisst nicht, wie man schwimmt (Christian Huber; 2022 – dtv)

„Sei einmal cool, Krüger!“ – Victor

Cool sein – das ist etwas, das Krüger sich schon lange wünscht. Doch eigentlich genau so lange hat er akzeptiert, dass er niemals cool sein wird. Krüger heißt eigentlich Pascal und er kann es kaum erwarten, dass der Sommer vorbei ist. Denn seitdem er nicht mehr schwimmen gehen kann, hasst er nichts mehr als den Sommer und die Hitze. Zum Glück ist es der 31. August 1999 und somit für Krüger der letzte Tag des Sommers.

Eigentlich hatte er den Tag im Bett verbringen wollen, doch dann steht sein bester Freund Victor vor der Tür, und die beiden beschließen, den Tag gemeinsam in ihrer verschlafenen Heimatstadt Bodenstein zu verbringen. In einem Elektro-Geschäft, in dem sie ein neues Videospiel ausprobieren, treffen sie auf ein Mädchen, das nicht nur ein neues Nokia-Handy, sondern auch Krügers Rucksack stiehlt. Natürlich müssen sie das Mädchen finden. Krüger, weil in dem Rucksack sein Notizbuch liegt, und Victor, weil er das Nokia mitgehen lassen möchte. Auf der Suche nach ihr treffen die beiden schließlich auf eine Spur, die sie zu einem Wanderzirkus etwas außerhalb der Stadt führt. Dort finden sie schließlich das Mädchen, das sich ihnen als Jacky vorstellt. Jacky scheint eigentlich ganz okay zu sein. Zumindest beeindruckt sie die beiden Jungs sehr mit ihren Messerwurf-Künsten. 

Spontan schmieden die drei einen Plan, um am Abend auf eine Party bei den beliebtesten Mädchen der Stadt zu gelangen. Dabei überschreiten sie auch einige Male die feine Grenze zwischen Mut und Leichtsinn …

Krüger lernt an diesem Tag viele neue Dinge. Zum Beispiel, dass es okay ist, nicht „cool“ zu sein, wie wichtig wahre Freundschaften sind oder dass es nichts Schlimmes ist, sich zu verlieben. Und auch, dass man nicht vergisst, wie man schwimmt.

Der Roman hat mich sehr fasziniert. Die gesamte Geschichte spielt an diesem einen Tag, dem 31. August 1999. Auch wenn das über zwanzig Jahre her ist, sind die jugendlichen Charaktere authentisch. Die vielseitigen Erlebnisse der Drei werden sehr detailliert und durchdacht aus Krügers Perspektive beschrieben. Christian Huber schafft es, einen kompletten Coming-of-age-Roman, der viele Themen, wie Freundschaft, den eigenen Körper, Liebe, aber auch Tod beinhaltet, an einem einzigen Tag spielen zu lassen, ohne dass es langweilig wird. Der Schreibstil sorgt dafür, dass man aus der Geschichte am liebsten gar nicht mehr auftauchen möchte. Der Roman zieht einen aber nicht nur durch seine tolle Erzählweise in den Bann, sondern auch durch Krügers viele Geheimnisse, z.B. warum er nicht mehr schwimmen kann, warum er Krüger genannt wird oder auch warum er sich nicht verlieben darf. Die Antworten darauf werden Stück für Stück immer wieder angedeutet und lassen einen eigene Theorien aufstellen. Krügers Geschichte ist sehr eindrucksvoll und beschäftigt einen auch noch nach dem Beenden des Buches. Der Roman macht gleichzeitig Lust auf Sommer und auf Abenteuer.

Majlis

Kennt ihr das Gefühl, dass manche Tage sich wie eine ganze Woche anfühlen?