Man vergisst nicht, wie man schwimmt (Christian Huber; 2022 – dtv)

Man vergisst nicht, wie man schwimmt (Christian Huber; 2022 – dtv)

„Sei einmal cool, Krüger!“ – Victor

Cool sein – das ist etwas, das Krüger sich schon lange wünscht. Doch eigentlich genau so lange hat er akzeptiert, dass er niemals cool sein wird. Krüger heißt eigentlich Pascal und er kann es kaum erwarten, dass der Sommer vorbei ist. Denn seitdem er nicht mehr schwimmen gehen kann, hasst er nichts mehr als den Sommer und die Hitze. Zum Glück ist es der 31. August 1999 und somit für Krüger der letzte Tag des Sommers.

Eigentlich hatte er den Tag im Bett verbringen wollen, doch dann steht sein bester Freund Victor vor der Tür, und die beiden beschließen, den Tag gemeinsam in ihrer verschlafenen Heimatstadt Bodenstein zu verbringen. In einem Elektro-Geschäft, in dem sie ein neues Videospiel ausprobieren, treffen sie auf ein Mädchen, das nicht nur ein neues Nokia-Handy, sondern auch Krügers Rucksack stiehlt. Natürlich müssen sie das Mädchen finden. Krüger, weil in dem Rucksack sein Notizbuch liegt, und Victor, weil er das Nokia mitgehen lassen möchte. Auf der Suche nach ihr treffen die beiden schließlich auf eine Spur, die sie zu einem Wanderzirkus etwas außerhalb der Stadt führt. Dort finden sie schließlich das Mädchen, das sich ihnen als Jacky vorstellt. Jacky scheint eigentlich ganz okay zu sein. Zumindest beeindruckt sie die beiden Jungs sehr mit ihren Messerwurf-Künsten. 

Spontan schmieden die drei einen Plan, um am Abend auf eine Party bei den beliebtesten Mädchen der Stadt zu gelangen. Dabei überschreiten sie auch einige Male die feine Grenze zwischen Mut und Leichtsinn …

Krüger lernt an diesem Tag viele neue Dinge. Zum Beispiel, dass es okay ist, nicht „cool“ zu sein, wie wichtig wahre Freundschaften sind oder dass es nichts Schlimmes ist, sich zu verlieben. Und auch, dass man nicht vergisst, wie man schwimmt.

Der Roman hat mich sehr fasziniert. Die gesamte Geschichte spielt an diesem einen Tag, dem 31. August 1999. Auch wenn das über zwanzig Jahre her ist, sind die jugendlichen Charaktere authentisch. Die vielseitigen Erlebnisse der Drei werden sehr detailliert und durchdacht aus Krügers Perspektive beschrieben. Christian Huber schafft es, einen kompletten Coming-of-age-Roman, der viele Themen, wie Freundschaft, den eigenen Körper, Liebe, aber auch Tod beinhaltet, an einem einzigen Tag spielen zu lassen, ohne dass es langweilig wird. Der Schreibstil sorgt dafür, dass man aus der Geschichte am liebsten gar nicht mehr auftauchen möchte. Der Roman zieht einen aber nicht nur durch seine tolle Erzählweise in den Bann, sondern auch durch Krügers viele Geheimnisse, z.B. warum er nicht mehr schwimmen kann, warum er Krüger genannt wird oder auch warum er sich nicht verlieben darf. Die Antworten darauf werden Stück für Stück immer wieder angedeutet und lassen einen eigene Theorien aufstellen. Krügers Geschichte ist sehr eindrucksvoll und beschäftigt einen auch noch nach dem Beenden des Buches. Der Roman macht gleichzeitig Lust auf Sommer und auf Abenteuer.

Majlis

Kennt ihr das Gefühl, dass manche Tage sich wie eine ganze Woche anfühlen?

Helles Land – Die Erwählte des heiligen Baumes (Mary E. Garner; 2021 – Lübbe)

Helles Land – Die Erwählte des heiligen Baumes (Mary E. Garner; 2021 – Lübbe)

„In goldenem Licht, das auf dem moos- und grasbewachsenen Boden mit grünen Schatten spielte, wuchsen Pflanzen aller Größen und Farben. […] Unsere Welt Helles Land vor etwa tausend Jahren. […] Die Einzigartigkeit einiger erstaunlicher Bäume wurde unseren Vorfahren jedoch erst bewusst, als unsere beiden Sonnen begannen, nicht mehr hinter-, sondern nebeneinander über unserer Welt zu erscheinen. […] Für die Menschen damals bedeutete die zentrierte Kraft der Sonnen die Gefährdung aller Lebensräume. Lichteichen hielten als einzige Wesen unserer Welt dieser neuen Herausforderung stand.“

Das „Helle Land“ ist seitdem ein anderes geworden. Die Menschen wurden gierig und schlugen die Lichteichen, um daraus sichere Häuser zu bauen. Ohne darauf zu achten, dass Lichteichen zwar sehr schnell wachsen, aber nur alle 300 Jahre genau 12 Samen ausbilden. So wurde das „Helle Land“ in drei Teile geteilt. Zunächst gibt es eine Stadt, die „Die Türme“ genannt wird und von einem Dach aus Lichteichenholz überspannt wird, in der eine altertümliche Hierarchie herrscht, die die Gesellschaft in Arm und Reich spaltet. Dann eine riesige Wüste, in der vereinzelt Savannah Dweller leben, und schließlich das „Refugium“. Das „Refugium“ ist ein grüner Fleck im Herzen der Wüste, der durch die einzige verbleibende Lichteiche geschützt und genährt wird. 

Im Refugium haben sich die Menschen in verschiedenen Dörfern organisiert. In einem dieser Dörfer lebt Clay, die Erwählte des heiligen Baumes. Die Bewohner des Refugiums verehren den Baum. Doch allein die Erwählte des heiligen Baumes und ihre Schülerinnen und Schüler kennen den Standort der Lichteiche. Als eine zwölfköpfige Delegation der „Türme“ bei ihrem jährlichen Besuch per Shunterreise, einer Art beamen, im Refugium auftaucht, läuft zunächst alles nach Plan. Doch schon am zweiten Tag verschwinden nicht nur Clays Lebensgefährte und einer der Delegierten, sondern es wird auch Clays Schülerin Camille niedergeschlagen. Es scheint sich um Entführungen zu handeln. Doch zu welchem Zweck? Mit den wenigen Spuren, die sie haben, machen sich Camille und Clay auf den Weg, um die Entführten zu finden. Suchen sie wirklich an der richtigen Stelle?

Mal wieder hat mich ein Roman von Mary E. Garner gefesselt. Den Anfang fand ich sehr verzaubernd. Zwischendrin zog es sich ein kleines bisschen, aber spätestens ab der Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Besonders gut gefallen hat mir, dass man als Leser genauso wenig hinter die Pläne und Intrigen kommt, die Clay und Camille aufzudecken versuchen, wie die Protagonistinnen selbst. Man hat zwar viele Theorien, aber die werden immer wieder widerlegt. Auch das Ende fand ich großartig geschrieben, weil es einen ziemlichen Plot Twist gibt. Trotz der erfundenen Welt, geht es in diesem Roman auch um aktuelle Themen wie Naturschutz und gesellschaftliche Unterschiede. Ich kann den Roman nur empfehlen, vor allem wenn man Fantasy Romane und Natur mag.

Majlis

Würdet ihr gerne mal das Leben im Refugium ausprobieren? Wo würdet ihr euch am wohlsten fühlen: in den Türmen, bei den Savannah Dwellern oder im Refugium?

Ich kann dich fühlen (Tess Tjagvad, Saga-Egmond-Verlag, 2022)

Ich kann dich fühlen (Tess Tjagvad, Saga-Egmond-Verlag, 2022)

„Was wäre, wenn. Es sind nur drei kleine Wörter, die keiner Fliege etwas zuleide tun, solange sie für sich allein stehen. Packt man sie jedoch zusammen, hat man womöglich das perfekte Chaos geschaffen.“ (aus „Ich kann dich fühlen“)

Mit dem Beginn ihres Studiums an der Fort Lake University möchte Kat einen Strich unter ihr bisheriges Leben setzten, ihre Vergangenheit hinter sich lassen und einfach unauffällig ihre Prüfungen möglichst gut absolvieren. Doch ein attraktiver Student, der gleichzeitig der Frauenheld schlechthin der Universität ist, aus einer der berüchtigten Studentenverbindungen macht ihr dieses Vorhaben zunehmend schwerer, da er mit allen Mitteln versucht, sie aus ihrer Komfortzone zu locken. Kat passt das gar nicht, doch auch sie muss sich eingestehen, dass sie ihn nicht einfach so abblitzen lassen kann. Doch kann sie überhaupt wieder Vertrauen fassen in einen Menschen, den sie kaum kennt – und dann auch noch ausgerechnet in Carter?

Puh, der Roman geht unter die Haut. Und das gleich aus mehreren Gründen: Zum einen haben sowohl Kat als auch Carter mit einer schweren Vergangenheit zu kämpfen, die sie irgendwie versuchen, gedanklich zu umgehen; und zum anderen ist es dem Leser dadurch, dass es Tess Tjagvad unheimlich gut gelungen ist, vor allem Kats Gefühle zu beschreiben, möglich, alle ihre Gefühle nachzuempfinden. Vic (Kats Mitbewohnerin) fragt Kat an einer Stelle: „Hattest du Herzklopfen? Gänsehaut? Das Gefühl, als wären in deinem Magen plötzlich Tausende Raketen gezündet worden?“ und ich hätte ihr am liebsten geantwortet: „Ja, hab‘ ich Vic! Schon lange und es will auch nicht mehr aufhören!“ Ich habe selten bei einem Roman so sehr mitfühlen können, wie bei diesem und ich wollte ständig so gerne in die Geschichte reinspringen und Kat unter die Arme greifen, damit sie sich endlich öffnen kann …!

Sprachlich ist der Roman leicht zu lesen und absolut keine Herausforderung, es ist super mal für zwischendurch. Allerdings sollte man nichts anderes vorhaben, denn es ist unmöglich, dieses Buch zwischendurch aus der Hand zu legen! 😉

Ich habe die Autorin bei einem digitalen Verlags-Event selbst ein bisschen kennenlernen dürfen und muss sagen, dass ich sie super sympathisch fand und auch deshalb so große Lust hatte, diesen Roman zu lesen! Nur hadere ich aktuell ein ganz kleines bisschen mit meiner Sympathie, da „Ich kann dich fühlen“ den übelsten Cliffhanger hat, mit dem ich jemals konfrontiert wurde … – aber es gibt ja einen zweiten Teil, der im Mai erscheinen wird. Also doch nicht so schlimm, die Geduld wird nur etwas auf die Probe gestellt. 😉

Insgesamt kann ich nur sagen, dass der Roman echt zu 100% lesenswert ist und sich ideal für eine kleine Auszeit vom Alltag eignet. Wer also Lust auf eine leichte Lektüre, ein bisschen Studienalltag und eine Geschichte rund um Freundschaft und Vertrauen hat – greift zu, ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen! Und mein Highlight, das euch endgültig überzeugen sollte: Es gibt eine Playlist zu dem Buch, sie steht hinten drin! Also lasst euch beim Lesen so richtig schön in die Stimmung der Geschichte tragen! 🙂

Lena

Wer hat beim Lesen noch die ganze Zeit mitgefiebert, wann Kat es endlich schafft, ihr Geheimnis zu erzählen? Und habt ihr auch so sehr mit ihr gelitten wie ich?

Beat it up (Stella Tack; 2020 – Knaur)

Beat it up (Stella Tack; 2020 – Knaur)

Summer und Xander Price sind Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Summer als Klavierwunderkind gilt und der Karriere ihrer Eltern als Konzertpianisten nachstrebt, hat Xander sich komplett von seinen Eltern losgesagt, um als DJ „Price X“ berühmt zu werden. Als Xander Summer bittet, ihm beim Schreiben eines Songs zu helfen, wie sie es früher schon ein paar Mal getan hat, will sie zunächst ablehnen, um ihre eigene Karriere als klassische Musikerin nicht aufs Spiel zu setzten. Doch dann gesteht Ethan, Summers bester Freund seit Kindertagen, ihr seine Liebe. Verwirrt und verunsichert ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf, etwas Abstand zu gewinnen, und fliegt nach New York zu Xander.

Ein paar Wochen später wäre sie dort sowieso hingekommen, da sie eine Einladung zum Vorspiel für das New York Orchestra erhalten hat. Wenn sie bei diesem Vorspiel überzeugen könnte, würde endlich ihr großer Traum in Erfüllung gehen. Doch zuerst soll sie Xander bei seinem Song helfen. Den braucht er nämlich für das „Beat it up“. Das „Beat it up“ ist das größte Musikfestival Amerikas. DJs aus der ganzen Welt treten auf Bühnen in New York, Las Vegas, LA und vielen anderen Städten auf. Auch ein paar Nachwuchs-DJs wie Xander dürfen dabei sein. Und nicht nur das. Der beste von ihnen bekommt eine Europa-Tournee finanziert. 

In den Aufnahme-Studios muss Summer nicht nur mit Xanders mürrischen Mitarbeitern fertig werden, sondern trifft auch noch auf den arroganten, aber auch sehr attraktiven Gabriel Blazon, Xanders härtesten Konkurrenten.

Als der Song nach einer Woche endlich fertig aufgenommen ist, kommt Xander auf die Idee, dass Summer ihn während des Festivals quer durch die USA begleiten könnte. Dem stehen allerdings zwei Dinge entgegen. Zum einen möchte Summer sich intensiv auf das Vorspiel vorbereiten. Zum anderen hat sie schon seit langem physische Probleme, da mit ihrem absoluten Gehör auch eine akustische Hypersensibilität mit eingeht. Dadurch reagiert sie auf Lärm mit starken, lang anhaltenden Kopfschmerzen. Doch auch sie muss einsehen, dass Xander mit dem Vorwurf, dass sie sich jeglichem Spaß entziehen würde, Recht hat. Schließlich entscheidet sie sich doch mitzufahren. Nachdem sie eine erste Panikattacke, die durch den Lärm von tausenden von Menschen ausgelöst wurde, überstanden hat, lernt sie die immer muntere Tänzerin Payton kennen, die sich als eine wunderbare Freundin für Summer entpuppt. Doch schon wird ihre gute Laune gedämpft, als sie erfährt, dass sich Xander und sie nicht nur einen Bus mit Payton und einem weitern DJ teilen, sondern auch mit Gabriel Blazon. Kann das gut gehen?

”Beat it up” ist ein klassischer Enemies-to-Lovers Roman. Trotz des vorhersehbaren Endes hat mich das Buch sehr gefesselt. Ich konnte mich zwar nicht ganz mit Summer identifizieren, da ich selbst kein Problem damit hätte, ein Festival zu besuchen, aber sie war mir trotzdem direkt sympathisch. Stella Tack lässt einen das Gefühl haben, selbst bei einem bunten Festival in einer tanzenden Menge zu stehen oder mit der fröhlichen Payton Waffeln zu essen. Ein Gute-Laune-Roman, der trotz etwas Drama Lust auf Musik macht. Besonders gut hat mir Summers Persönlichkeitswandel gefallen, den Stella Tack sehr nachvollziehbar veranschaulicht hat. 

Majlis

Mögt ihr lieber klassische oder elektronische Musik? Wärt ihr gerne mal auf einem Festival wie dem „Beat it up“?

Im zweiten Band geht es dann um Xander und Rosie und im dritten treffen Payton und Ethan aufeinander.

Das Buch der gelöschten Wörter (Mary E. Garner; 2020 – Lübbe)

Das Buch der gelöschten Wörter (Mary E. Garner; 2020 – Lübbe)

Der erste Federstrich – Zwischen den Seiten – Die letzten Zeilen

Hope Turner liebt es in Buchwelten einzutauchen. Doch als sie auf Rufus Walker trifft, verändert sich nicht nur die Bedeutung dieses Satzes, sondern auch ihr ganzes Leben.

„Mrs. Gateway‘s Fine Books“ – so heißt der kleine Buchladen, in den Hope sich, eigentlich auf dem Weg zu ihrer Mutter im Pflegeheim, aufgrund eines plötzlichen Regenschauers flüchtet. Vor zwei Jahren, als sie nach London gezogen ist, war sie schon einmal hier. Doch da in dem Laden eine merkwürdige Atmosphäre und ein unglaublicher Gestank herrschten, hatte sie ihn seitdem nicht mehr betreten. Nun bleibt ihr, trotz desselben komischen Gefühls wie damals, nichts anderes übrig, als den Regen abzuwarten. Aus der Not heraus bestellt sie sogar ein Buch, um nicht unhöflich zu wirken. 

Beim Abholen eine Woche später kommt ihr der Laden gar nicht mehr so unfreundlich vor. Wieso riecht es bloß auf einmal nach frisch gebackenem Kuchen? Als sie dann auch noch ungeplant auf Rufus, einen Mann, den sie online kennengelernt hat, trifft und dieser sie ausgerechnet in diese Buchhandlung bringt, merkt sie endgültig, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Von Rufus erfährt sie, dass sie als Trägerin des Namens „Turner“, der ja eigentlich nicht unüblich ist, eine besondere Gabe besitze, die in der Bücherwelt gebraucht werde. In der Bücherwelt? Hope würde am liebsten sofort wieder gehen, entschließt sich aber, Rufus eine Chance zu geben. Zu Recht, denn nachdem dieser ihr aus „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen vorgelesen hat, findet sich Hope tatsächlich in dem fiktiven Anwesen „Pemberley“ wieder. Träumt sie?

Von Jane Austens Roman aus wechselt sie – gemeinsam mit dem unerwartet mürrischen Rufus, der ähnlich wie sie eine Gabe besitzt, und seinen Gehilfen Gwen (Guinevere) und Lanc (Lancelot) aus der Artussage – in die Zentrale über. Die Zentrale ist ein buchneutraler Ort, von dem aus man in jegliche Bücherwelten gelangen kann. Hope kann es nicht fassen. Dies ist das Beste, was sich eine Bücherliebhaberin wie sie vorstellen kann. Doch ihre positive Überraschung wird bald getrübt, als sie den Grund erfährt, aus dem sie „eingeladen“ wurde. Kann es ihr gelingen, gemeinsam mit Gwen, Lanc und Rufus die Bücher- und Echtwelt zu retten? Was hat es mit dem gutaussehenden Kennon auf sich?

Diese Trilogie war definitiv ein Highlight für mich! Mehrere Wochen bin ich in die Geschichte eingetaucht und die Figuren sind mir total ans Herz gewachsen. Mary E. Garner hat einen wunderbaren Schreibstil, der einen – fast wie die Figuren der Geschichte – in diese Bücherwelt eintauchen lässt. Die Bücher bringen deutlich mehr Spannung und Rätsel mit sich, als ich es erwartet hätte und sind sehr fesselnd. Es hat mir gut gefallen, dass man selbst viele Theorien aufstellen konnte und dass die Figuren oft schnell Dinge erkannt haben, die man als Leser schon begriffen hatte. Die einzige Sache, die mich stutzen ließ, war Hopes Alter. Nach ihrem Verhalten hätte ich sie auf Mitte 20 geschätzt. Tatsächlich soll sie 42 Jahre alt sein. Ihr Alter spielt aber keine Rolle und macht sich kaum bemerkbar. Dadurch kann ich die Bücher Jugendlichen wie Erwachsenen empfehlen. Ein Must-Read für alle Bücherwürmer!

Majlis

In welches Buch würdet ihr gerne reisen können? 

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

„Lebe nach deiner Melodie. Wenn du nach den Noten anderer tanzt, kommst du aus dem Takt.“ (Stefan in True Love)

Die junge Kunsthistorikerin Carlotta verbringt ihren Sommer für einen Sommerkurs in Venedig. Dort trifft sie durch einen Zufall auf den Architekten Stefan und zwischen den beiden funkt es von dem ersten Moment an. Wortwörtlich: Liebe auf den ersten Blick. Stefan lebt auf seiner Segelyacht ‚True Love‘, während er ein Forschungsjahr in Venedig beendet, um danach eigentlich weiter nach New York zu gehen. Doch ist das nicht das einzige Problem zwischen Carlotta und Stefan, denn Carlotta hat ein Geheimnis, von dem sie Stefan auf gar keinen Fall erzählen will, das es ihr allerdings unmöglich macht, ihrem Herzen zu folgen: Sie wurde als Prinzessin geboren und sie weiß, dass ihre Familie Stefan als nicht-adeligen Ehemann nicht dulden würde. Doch wie soll sie sich nun verhalten? Kann sie ihrem Herzen folgen und trotzdem nicht mit ihrer Familie brechen?

Der Roman führt den Leser an verschiedenste Orte, sowohl physisch als auch psychisch. Ob nun in Venedig, in den Bergen Südtirols, in der Millionenstadt New York oder in Paris, der Stadt der Liebe, immer blickt der Leser durch die Augen von Carlotta oder Stefan auf die Hindernisse, die einem jungen Paar durch Traditionen in den Weg gelegt werden können. Conny Redox thematisiert das Thema der Selbstbestimmung, aber gibt auch einen Einblick in alte Adelsbräuche, von denen Carlottas Familie geprägt ist. Lebendig und alltäglich wird die Geschichte durch kurze Einblicke in die Geschichte der Kunst, die die beiden verbindet, gemacht.

„True Love“ gibt dem Leser die Möglichkeit, aus dem Alltag zu fliehen und sich eine Auszeit in Venedig zu nehmen. Dabei kann man wunderbar entspannen, jedoch beschäftigte mich beim Lesen auch, wie es wohl sein mag, einem solchen Druck ausgesetzt zu sein, wie es bei Carlotta der Fall ist und ob man sich lösen kann, wenn man doch von Geburt an von seinem Vater nichts anderes hörte als „Adel verpflichtet und Adel verbindet“. Es macht aber auch zwischendurch einfach Spaß zu lesen, sich nach Venedig auf die ‚True Love‘ zu träumen und sich einfach ein glückliches Selbst vorzustellen.

Von daher kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der Lust auf ein wenig Romantik hat, dem Alltag mal entkommen muss und Spaß an einer leichten Lektüre findet!

Lena

Konntet ihr verstehen, dass Carlotta auf dem Schiff plötzlich solch einen Sinneswandel hatte? Und glaubt ihr, dass ihr mit eurer Familie brechen könntet, um eurem Herzen zu folgen?

Girl at heart (Kelly Oram; 2019 – one)

Girl at heart (Kelly Oram; 2019 – one)

“Hastings!” – so wird Charlie meistens von ihren Freunden angesprochen. Bei den Jungs ist das so üblich. Und als das eine Mädchen im Baseballteam und einzige Tochter eines alleinerziehenden Vaters ist Charlie diesen Tonfall längst gewöhnt. Doch als sie merkt, dass sie zu weiblich ist, um einer von den Jungs zu sein, und zu männlich, um sich wie ein Mädchen verhalten zu dürfen, ist ihr klar, dass sich etwas ändern muss.

Baseball ist Charlies Leben! Durch ihren Vater, einen ehemaligen Profispieler, ist sie von klein auf mit dem Sport und der Leidenschaft dafür aufgewachsen. Obwohl sie die Beste in ihrem Team ist, hat sie leider kaum Aussichten auf ein College-Stipendium. Deshalb will sie ihr letztes Jahr an der Highschool und ihre letzte Spielsaison genießen. Der Plan gerät allerdings ins Wanken, als keiner ihrer drei besten Freunde sie für den Abschlussball fragt und alle stattdessen bei der Vorstellung, sie in einem Kleid zu sehen, in Gelächter ausbrechen. Für Charlie ist klar: Sie braucht Veränderung. Als ihre Chance sieht sie den Ausstieg aus der Mannschaft. Kurz nach ihrem Gespräch mit dem Coach trifft Jace, der Teamkapitän, sie. Charlie schüttet ihm ihr Herz aus und er überzeugt sie, die Mannschaft nicht zu verlassen. Stattdessen stellt er den Kontakt zwischen Charlie und seiner Zwillingsschwester Leila, die der Inbegriff von Mädchen ist, her.

Ohne Freundinnen und ohne Mutter hat Charlie nie gelernt, sich wie ein Mädchen zu verhalten. Dinge wie Shopping Tours mit Leila oder eine Übernachtungsparty mit Leilas Freundinnen sind komplett neu für Charlie, doch sie stellt fest, dass sie diese neue Seite an sich mag. Ihr neues Selbstbewusstsein fängt allerdings an zu bröckeln, als sich ihre Freunde gar nicht begeistert über die veränderte Charlie zeigen. Charlie ist verwirrt und will sich nicht entscheiden müssen. Kann ihr der Spagat gelingen?

Kelly Oram hat mal wieder einen wunderbaren Roman geschrieben. Charlie ist total sympathisch und macht sich über viele Dinge Gedanken, über die man vielleicht selbst schon einmal nachgedacht hat. Man kann sich gut mit Charlie identifizieren. Ein paar Probleme und Kitsch sorgen für die nötige Spannung eines klassischen Jugendromans. Eine Geschichte über Selbstfindung, die ich Jugendlichen empfehlen kann!

Majlis

Verhaltet ihr euch gerne mädchenhaft oder findet ihr das anstrengend? Wie hättet ihr euch an Charlies Stelle entschieden?

Der Stammbaum unserer Familie / Wie ich aufwachse (Monika Kopřivová, 2021, Familium)

Der Stammbaum unserer Familie / Wie ich aufwachse (Monika Kopřivová, 2021, Familium)

„Familie ist wie Zweige an einem Baum, sie wachsen alle in unterschiedliche Richtungen, aber ihre Wurzeln bleiben dieselben.“

Dieses Zitat beschreibt das Prinzip eines Stammbaums ganz gut, denn irgendwo findet alles irgendwann wieder zusammen. Aber wir kennen es bestimmt auch alle, dass sich Geschwister, Kinder, Enkelkinder, Nichten und Neffen und wen es sonst noch alles gibt, irgendwann von der Familie absetzten, eine eigene Familie gründen und wegziehen. Die meisten von uns werden dann ein lachendes und ein weinendes Auge haben, denn so schade es auch ist, dass man sich nun nicht mehr jeden Tag sehen kann, so schön ist es doch auch zu sehen, wie die Familie wächst und sich entwickelt.

Gleichzeitig hat man als heranwachsende Person häufig das Problem, dass einem die Zeit, vor allem mit den Großeltern wegläuft. Und wenn es dann irgendwann zu spät ist, dann hätte man gerne so viel mehr gefragt, mehr über sie selbst, ihr Leben und ihre Vergangenheit erfahren. Doch wie spricht man so etwas an? Nun, es gibt zwei tolle Bücher, die uns die Möglichkeit geben, unser Leben und das unser Liebsten gemeinsam zu dokumentieren und darüber in den Austausch zu kommen.

„Wie ich aufwachse“ beginnt vor dem ersten Lebensjahr und endet mit dem 18. Geburtstag und den Eltern und Kindern ist es gemeinsam möglich, die größten Meilensteine im Leben der Kinder festzuhalten.

„Der Stammbaum unserer Familie“ ist ideal zum Herumgeben, denn jedem Familienmitglied gehört eine Seite, auf der man sich vorstellt. Und am Ende hat man die Großfamilie immer bei sich, ganz egal wo man sich gerade befindet.

Ich habe ein paar Seiten aus den Büchern fotografiert und zeige sie euch hier, damit ihr einen Eindruck von der liebevollen Gestaltung bekommt! Und dann kann ich echt allen Eltern empfehlen, sich das mal anzuschauen, denn für die Kinder und für die ganze Familie könnten diese Bücher ein Schatz für das Leben sein, der sie immer an ihre Wurzeln erinnert …

Lena

Meine Mama und mein Papa – wo komme ich eigentlich her? Wer sind meine Eltern?

Puh, ganz schön viele Personen, die es erst einmal zu ordnen gilt …

Großeltern, Urgroßeltern und alle anderen kommen auch noch … Und: Was hätten einige von ihnen mir vielleicht gerne noch gesagt? Manchmal kommt man in Gesprächen nicht direkt drauf, aber hinterher wünscht man sich dann, man hätte eine bestimmte Sache gesagt – das geht nicht nur uns so, sondern unsere Großeltern kennen das auch …! Gebt ihnen die Chance, das in Ruhe aufzuschreiben!

Winterbienen (Norbert Scheuer, 2019, C.H.Beck-Verlag; 2020 Verlagsgesellschaft mbH & Co.)

Winterbienen (Norbert Scheuer, 2019, C.H.Beck-Verlag; 2020 Verlagsgesellschaft mbH & Co.)

„Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.“ (Cicero / Auszug aus „Winterbienen“)

Januar 1944. Egidius Arimond lebt zusammen mit seinen Bienenvölkern in einem kleinen Dorf in der Eifel. Als Epileptiker gilt er aus der Sicht der Nationalsozialisten als unwertes Leben, gleichzeitig schützt es ihn aber auch vor dem Einsatz als Soldat im Krieg. Als die Eifel immer mehr unter Beschuss gerät, wird in dem kleinen Dorf allerdings alles ein bisschen schwerer. Er kommt nicht mehr leicht an seine wichtigen Medikamente und bei ihm werden Soldaten einquartiert. Grundsätzlich nicht so schlimm, nur erschweren diese Umstände seine Aufgabe: Er bringt als Schleuser jüdischen Flüchtlingen über die belgische Grenze – auf seine ganz eigene Art …

Der Roman ist das Tagebuch von Egidius Arimond. Norbert Scheuer wurde gebeten, seine Geschichte als Buch aufzuschreiben, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich von diesem Mann, der seiner Krankheit getrotzt hat und die Familientradition, die Imkerei, immer weitergeführt hat, inspirieren zu lassen. Egidius verbringt sein Leben bei den Bienenstöcken, in der Bibliothek oder aber in der Vergangenheit seiner Familie, in dem Leben von Ambrosius Arimond im 15. Jahrhundert.

Das Buch ist in sehr leichter Sprache geschrieben, da es aber ein Tagebuch ist zieht es sich beim Lesen manchmal etwas, vor allem wenn Egidius in der Welt seiner Bienen ist. Gleichzeitig ist aber genau dies auf irgendeine Art faszinierend, denn trotz all dem Grauen um sich herum, verliert er nie den Blick für seine Lebensinhalte.

Ich kann dieses Buch grundsätzlich jedem empfehlen, da es ein Einzelschicksal von großer Bedeutung ist. Allerdings würde ich es vor allem den Lesern in die Hand drücken, die sich gerne in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges bewegen, da diese Geschichte sehr tiefgründig ist.

Lena

Hättet ihr das Ende erwartet? Mich hat es regelrecht geschockt …

Cinderella is dead (Kalynn Bayron; 2020 – Bloomsbury)

Cinderella is dead (Kalynn Bayron; 2020 – Bloomsbury)

Do not be silent. Raise your voice. Be a light in the dark.”

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Cinderella – das Mädchen, das ihren Traumprinzen gefunden hat. Wünschen wir uns nicht alle so ein glückliches Ende für uns selbst? Doch was, wenn das Glücklichsein zur Pflicht und das Happy End erzwungen wird?

Sophia lebt in Lille. Derselbe Ort, an dem vor 200 Jahren Cinderella gelebt hat. Seit deren Tod ist der Alltag der Menschen dort von Cinderellas Geschichte bestimmt. Regeln wie „jeder Haushalt muss eine Kopie von Cinderellas Geschichte Zuhause haben“ oder „der jährliche Ball ist für alle eingeladenen Mädchen verpflichtend“ klingen vielleicht harmlos und fast malerisch. Wäre da nicht die Tatsache, dass alle Mädchen ab dem Alter 16 zu dem Ball eingeladen werden und dieser einzig und allein dazu dient, die Mädchen zu verheiraten. Ab dem Moment, in dem sie „auserwählt“ werden, haben sie keine eigenen Rechte mehr. Zudem wird erwartet, dass man auf dem Ball erscheint, als hätte einen die gute Fee höchstpersönlich verzaubert, obwohl diese seit Cinderellas Verwandlung nie wieder gesehen wurde. Wer nicht angemessen festlich zum Ball erscheint oder bei seinem dritten Ball nicht erwählt wird, wird bestraft. Viele Familien, in denen der Mann das Sagen hat, sparen bereits lange vor dem 16. Geburtstag ihrer Töchter, um sie „gut“ zu verheiraten. 

Sophia findet nicht nur das System, das König Manford durchgesetzt hat, grundsätzlich furchtbar, sondern hat auch ihr ganz persönliches Problem damit: sie ist in ihre Freundin Erin verliebt, die bei dem Ball ebenfalls verheiratet werden soll. Für homosexuelle Menschen, wie Sophia, ist in Lille kein Platz, aber weglaufen ist auch keine Option. Die Grenzen werden, genau wie der Palast am Abend des Balls, streng bewacht. Trotzdem verlässt Sophia den Ball und schafft es sich vorerst im Wald zu verstecken. Dort trifft sie auf Constance – das Mädchen in den Jungsklamotten, das ihr eine ganz andere, bitterere Version von Cinderellas Geschichte erzählt. Auf der Suche nach Antworten treffen die zwei auf gut gehütete Geheimnisse, die sie dazu veranlassen einen Angriff auf König Manford zu planen. Doch was verbirgt sich hinter der Fassade des verschlossenen Königs?

Der Roman hat mir sowohl im Stil als auch inhaltlich sehr gut gefallen! Kalynn Bayron schreibt von starken Mädchen in einer fiktiven Welt. Sie vereint Themen wie Feminismus und Homosexualität und schreibt eine klassische und kitschige Geschichte neu. Ihre Beschreibungen der Landschaft und des Stadtlebens und ihr Schreibstil sind sehr anschaulich, sodass man das Gefühlt hat mit Sophia auf dem Ball zu sein oder mit Constance durch den Wald zu rennen. Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich für Feminismus und Homosexualität interessieren und gleichzeitig gerne etwas weniger Kitsch haben.

Majlis

Würdet ihr gerne in Lille leben? Mögt ihr Erin oder Constance lieber?

Dies ist die Lösung zu Collage 15.