Layla (Colleen Hoover, 2020, dtv-Verlag)

Layla (Colleen Hoover, 2020, dtv-Verlag)

Was passiert nach dem Tod? Gibt es eine Chance, dass die Toten noch einmal zu uns zurückkehren?

Auf der Hochzeit ihrer Schwester lernen Layla und der Musiker Leeds sich kennen und lieben. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie scheinen zusammenzupassen wie die Faust auf’s Auge. Sie leben den Traum vieler Jugendlicher, bis Layla Opfer eines Attentats von Leeds‘ eifersüchtiger Ex-Freundin wird. Nach diesem Tag ist Layla nicht mehr dieselbe und gerade Leeds fühlt sich immer weniger mit ihr verbunden. Um ihre Beziehung zu retten, hat er die Idee, das Haus, in dem sie sich kennengelernt haben, zu mieten, damit sie dort einen entspannten Urlaub verbringen können. Doch in diesem Haus scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch Laylas Zustand verschlechtert sich eher, als dass er sich verbessert. Damit er Layla nicht völlig verliert und er ihr beider Leben wieder ein eine einigermaßen annehmbare Bahn lenken kann, muss Leeds jedoch zu außergewöhnlichen und zweifelhaften Mitteln und Methoden greifen …

„Layla“ ist mal eine etwas andere Geschichte von Colleen Hoover. Ich wurde während des Lesens ehrlich immer wieder überrascht, weil ich mit einigen Ereignissen oder auch Wendungen in der Handlung echt niemals gerechnet hätte. Aber gerade deshalb fand ich es super! Es war nicht das übliche Liebes-Drama, was wir sonst von ihr kennen (und lieben 😉), sondern es gab einen tieferen Hintergrund, den der Leser erst Stück für Stück, zusammen mit Leeds erfasst hat. Es war also, anders als vielleicht einige andere ihrer Romane, ganz und gar nicht vorhersehbar, was als nächstes passiert und ich bin von dem Ende echt überrascht gewesen, gerade weil ich irgendwann an dem Punkt war, an dem ich mir kein Ende mehr ausmalen konnte. Für mich persönlich war es also eine tolle Leseerfahrung!

Insgesamt hat mir besonders gefallen, dass der Roman aufgebaut ist wie ein Rätsel, denn wer kennt sich schon mit verschiedenen Ebenen und Welten aus, in denen wir mit anderen möglichen Lebewesen oder Wesen zusammenleben …? Etwas spirituell – wer hätte es von Colleen Hoover gedacht, aber deshalb umso abwechslungsreicher und spannender. Und zwischendurch auch ganz schön gruselig …

Ich kann euch den Roman wirklich ziemlich uneingeschränkt empfehlen. Den Colleen Hoover – Lesern sowieso, aber auch denen, die davon sonst nicht so angesprochen sind, weil es wirklich einen anderen Kern hat!

Lena

Könnt ihr euch vorstellen, dass es in parallelen Ebenen zu unserer Welt auch noch Leben geben kann? Und hättet ihr gedacht, dass der Roman noch so ein Ende nehmen kann?

The Kissing Booth (Beth Reekles, 2019, ctb-Verlag)

The Kissing Booth (Beth Reekles, 2019, ctb-Verlag)

“Wenn es ist, was du willst, bin ich für dich da, wenn es vorbei ist. Ich werde immer für dich da sein.“ (Lee zu Elle)

Elle Evans hat einen besten Freund: Lee Flynn. Sie gehen in dieselbe Klasse in der Schule, wohnen nur 10 Minuten zu Fuß voneinander entfernt, sind am selben Tag geboren und haben quasi ihre gesamte Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Eines Tages steht dann ein Schulfest an, wofür sie als Mitglieder der Schülervertretung einen Stand organisieren sollen. Nach einigem Überlegen kommen sie auf eine „Kissing Booth“. Genial! Doch wegen eines Notfalls muss Elle sich auf dem Fest plötzlich selbst in die Box stellen, und Küsse verteilen. Dabei hätte sie niemals gedacht, dass sie ihren ersten Kuss ausgerechnet in einer „Kissing Booth“ auf einem Schulfest von dem extrem heißen und allseits begehrten Bruder ihres besten Freundes bekommen würde … Noah Flynn, der Quarterback der Footballmannschaft und in mehr Gerüchte und Geschichten verstrickt, als ihm guttut.

Doch als Elle sich eingestehen muss, dass dieser Kuss nicht ganz spurlos an ihr vorbeigegangen ist, steht sie vor einem viel größeren Problem: Wie erzählt man seinem besten Freund, dass man in dessen großen Bruder verschossen ist? Und will Elle das überhaupt? Wo Noah doch echt keinen guten Ruf hat und im kommenden Jahr auf’s College gehen wird? Und will sie dafür ihre Freundschaft mit Lee auf’s Spiel setzten?

Ich habe mich lange dagegen gesträubt, diese Reihe zu lesen, da ich sie ehrlich gesagt als billige Netflix-Serie abgetan hatte. Aber irgendwann hat mich die Neugier dann doch gepackt und ich wollte wissen, was denn nun an der Geschichte so toll ist. Und ehrlich gesagt wurde ich echt überrascht. Das Beste ist der einzigartige Humor. Die Freundschaft zwischen Elle und Lee ist echt beneidenswert und ich hoffe, nicht einzigartig. Denn die beiden verbindet so viel, dass sie wie die Faust auf’s Auge zusammenpassen und perfekt harmonieren. Es ist ziemlich witzig, mit den beiden in der Schule oder zum Beispiel am Pool zu sein und Noah zu ärgern, aber gleichzeitig ist die brüderliche Beziehung zwischen den Flynn-Geschwistern beeindruckend. Doch neben dem Humor, sticht auch der Ernst dieser Geschichte heraus. Die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Elle und ihrem Vater ist wunderschön zu verfolgen („Ich möchte nur nicht, dass du irgendwas Dummes machst.“ „Und zwar? Wieder mit ihm zusammen sein?“ „Nein, dir nochmal das Herz brechen lassen.“), gerade vor ihrem familiären Hintergrund … Ein dritter Punkt, denn ich faszinierend fand, war die Tatsache, wie die Protagonisten mit der Zeit gewachsen sind, offensichtlich älter wurden und von Teenagern zu jungen Erwachsenen geworden sind („Vielleicht war alles genau so, wie es sein sollte. Vielleicht fügte sich alles perfekt zusammen.“)

Mein Fazit fällt also sehr viel besser aus, als ich es jemals erwartet hätte. Vor dem dritten Teil habe ich ganz kurz gedacht, puh, vielleicht hätten zwei auch gereicht, aber jedes Buch hatte etwas für sich und ich will das Leseerlebnis des letzten Bandes eigentlich am wenigsten von allen missen! 😊 Also: Top, manchmal denkt man sich vielleicht, „so schwer kann es doch nicht sein“ oder „die Lösung liegt doch auf der Hand“, aber das gehört ja auch irgendwie zu solchen Geschichten dazu!

Lena

Wer hat so eine Freundschaft, wie die zwischen Elle und Lee selbst erlebt? Mögt ihr davon erzählen? Und hättet ihr es gewagt, eure Freundschaft auf’s Spiel zu setzten?

Wenn Liebe eine Farbe hätte (Leonie Lastella, September 2020, dtv-Verlag)

Wenn Liebe eine Farbe hätte (Leonie Lastella, September 2020, dtv-Verlag)

„Manchmal kommt es nicht darauf an, was wir sagen, sondern was wir bereit sind, zu tun.“

Bevor David sich urplötzlich von Everly trennte, waren die beiden seit Jahren das perfekte Paar. Sie liebten sich und allen war klar, dass diese beiden jungen Erwachsenen später in einem Einfamilienhaus mit Kindern und einem weißen Gartenzaun leben würden. Tja, getäuscht. Everly, die in ihrer Unsicherheit, was sie darüber denken soll, niemanden hat, an den sie sich wenden kann oder möchte, braucht nun unbedingt einen Job und einen neuen Mitbewohner, damit sie die Wohnung behalten kann, die ihr unheimlich viel bedeutet. Ihre scheinbar einzige Chance ist es, eine Stelle im „Beach-Café“ anzunehmen, da sie irgendwie ihren ziemlich vollen Alltag managen muss und sie so flexibel bleibt. Allerdings gibt es auch einen dicken Haken, der Weston heißt, Everlys ehemaliger Mitschüler ist, dem sie den aufregendsten Kuss ihres Lebens zu verdanken hat und der leider ebenfalls in besagtem Café arbeitet. So weit so gut, sie arrangieren sich, bis Weston plötzlich aus seiner Wohnung geworfen wird und ihm eigentlich nur eine undenkbare Möglichkeit bleibt: Bei Everly einziehen …

Dieser Roman hat mir unglaublich gut gefallen und war eine wunderbare Ferienlektüre! Leonie Lastella hat viel Humor, Ernsthaftigkeit, Freude, Angst, Liebe und Wut im Gepäck. Es ist unheimlich mitreißend, Everly dabei zu begleiten, ihr bisher so geordnetes Leben, das völlig aus der Bahn geraten ist, langsam wieder aufzubauen und auch Weston verbirgt etwas, wovon er selbst noch erfahren muss, was es eigentlich ist. Aber hängt dieser Punkt eventuell mit der Tatsache zusammen, dass er schlichtweg nicht in der Lage zu sein scheint, zu lieben? Liebe ist für ihn ein Luftschloss, in dem langweile Paare wie Everly und David verrotten, aber ist das wirklich so? Daneben lernt man auch als Leser zusammen mit Everly in diesem Roman viel über Freundschaft, Geduld, Kompromisse und das Leben.

Man könnte meinen, dass dieser Roman ein weiter von einer Reihe schnulziger Liebesgeschichten ist, aber vergessen wir nicht, dass Weston nicht an Liebe glaubt. 😉 Es war das erste Buch, das ich von Leonie Lastella gelesen habe, aber ich freue mich schon, wenn ich die Zeit finde, mir auch die anderen Romane zu vorzunehmen, es ist echt eine Bereicherung! Vor allem, wenn es plötzlich nicht mehr heißt: „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, dann mach Limonade draus.“, sondern die Aufforderung auf einmal lautet: „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, besorg Tequila und Salz.“ Vielleicht bin hier ja nicht die einzige, die dabei an ein paar Freunde denken muss und ein Grinsen im Gesicht hat. 😉

Insgesamt kann ich nur sagen, dass es ein echt süßer Roman ist, ich definitiv Lust auf mehr habe und euch dieses Buch wärmstens ans Herz lege, wenn ihr Lust auf eine leichte Lektüre mit ein wenig Herzschmerz, aber auch Tiefsinn habt.

Lena

Muss eine Beziehung eurer Meinung nach perfekt sein? Und wie hättet ihr an der Stelle von Everlys Oma gehandelt? …

Die Schule am Meer (Sandra Lüpkes; 2020; Rowohlt-Verlag)

Die Schule am Meer (Sandra Lüpkes; 2020; Rowohlt-Verlag)

„Es war das Los der Lehrer, dass das Erreichen des Ziels zugleich auch den Abschied bedeutete.“

1925 wird auf der kleinen Insel Juist zwischen Wattenmeer und Nordsee von ein paar Lehrern die „Schule am Meer“, die erste reformpädagogische Schule in Deutschland, gegründet. Mit dabei sind Anni und Paul Reiner, die ihr ganzes Herzblut in die Errichtung des Internats stecken. Der Fokus soll auf dem gleichberechtigten Miteinander und dem praktischen Lernen im Einklang mit der Natur liegen. Sogar der große deutsche Dirigent Eduard Zuckmayer kommt als Musiklehrer auf die Insel, da die Schule Lehrern sowie Schülern eine Chance, und die Insel ihnen ein Zuhause bietet.

Doch auch die kleine, von der Welt abgeschottete Insel, auf der die Zeitung immer erst zwei Tage zu spät ankommt und die im Winter bei eisiger Kälte keine Möglichkeit hat, sich zu versorgen, wird von der Entwicklung in der Politik eingeholt. Und so ist man sich auf der Insel nicht einig, was man von der Schule halten soll, die bei vielen auch als „Hort für Kommunisten und Juden“ verschrien ist. Und so drohen jahrelange Arbeit der Gemeinschaft langsam auseinanderzubrechen …

Die Autorin, die selbst auf Juist aufgewachsen ist, hat in diesem Roman die Geschichte einer Schule festgehalten, die zu großen Teilen vergessen oder links liegen gelassen wurde. Auf ihrer Recherche-Reise ist sie den Lehrern und Schülern ins Tessin, nach Berlin und natürlich nach Juist gefolgt und hat die Schule am Meer wieder aufleben lassen. In dem Roman erzählt sie die Geschichte im Wechsel aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten, und so kommt sowohl die Familie Reiner, wie auch der Schüler Moskito, das Küchenmädchen (und vieles anderes) Marje und der (unter anderem) Gemeindediener Gustav Wenninger „zu Wort“. Durch diesen Wechsel bekommt der Leser ein sehr eindrucksvolles Bild der verschiedenen Ansichten und Meinungen auf der Insel und auch von der Grundstimmung, die dort herrschte und die die Menschen geprägt hat. Die Geschichte basiert in erster Linie auf dem Logbuch der Schule, das der Schulleiter Luserke sehr penibel führte.

Insgesamt ist der Roman lebhaft, gefühlvoll und beschreibend geschrieben, wodurch man beim Lesen ein unglaublich gutes Bild der Umstände bekommt, sich aber gleichzeitig sehr gut in die Situation der einzelnen Kinder und Lehrer hineinversetzten kann. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und konnte dieses etwas dickere Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Eine echte Ferienlektüre für jedermann!

Lena

Wärt ihr gerne auf die Schule am Meer gegangen? Und wie hättet ihr euch an Annis Stelle verhalten, als sie vor der schweren Entscheidung stand, wie sie ihre Zukunft gestalten soll?

Was wir zu hoffen wagten (Michaela Saalfeld; Juli 2018; Lübbe-Verlag)

Was wir zu hoffen wagten (Michaela Saalfeld; Juli 2018; Lübbe-Verlag)

„Das war’s. Es ist mein Leben und ich will damit anfangen, was gut für mich ist.“

Berlin, 1912: Felice, Willi und Ille, drei Geschwister, die zwei Jahre vor dem Ausbruch des großen Krieges in ihrem ihnen von der Gesellschaft aufgezwungenen Leben gänzlich unzufrieden sind. Felice, eine außergewöhnlich begabte Jurastudentin, wird nicht zum Vorbereitungsdienst und damit auch nocht zum zweiten Staatsexamen zugelassen, nur weil sie eine Frau ist. Somit bleibt der nach Gerechtigkeit strebenden jungen Frau auch verwehrt, Rechtsanwältin zu werden. Willi, sowohl von der Welt des Films als auch von der jüdischen Schauspielerin Recha Süßapfel fasziniert, soll unbedingt das eigentlich nicht mehr zu rettende väterliche Bankgeschäft übernehmen. Und Ille, die jüngste der drei, wünscht sich nichts mehr, als von ihrer Familie und vor allem von ihrer großen Schwester geliebt zu werden. Doch statt in ihrer geborgenen Traumwelt zu leben, ist die in einer Ehe mir einem brutalen Mann gefangen und dringt mit ihren Worten nicht zu ihrer Schwester durch …

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden die Leben aller drei Geschwister gewaltig auf den Kopf gestellt, ihr Blick aufeinander verändert sich und Familie bekommt eine ganz neue Bedeutung. Könnte die junge Republik eventuell ihre Chance auf ein neues Leben sein?

Mit hat der Roman unglaublich gut gefallen! Michaela Saalfeld setzt den Fokus nacheinander auf die verschiedenen gesellschaftlichen Probleme, denen sich die Geschwister zu stellen haben. Dadurch ist es zwar nicht möglich, immer alle im Blick zu behalten, da gerade während des Krieges nur die Front oder das Leben in der Heimat sinnvoll und ausführlich thematisiert werden kann, jedoch wird dies ausgeglichen durchhervorragende Recherche und ein exzellent vermitteltes Fachwissen. Die Historikerin und Autorin sagt selbst, dass sie sich mit diesem Roman ihren größten Wunsch erfüllt habe, eine Geschichte über die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit, über die neunen Medien Fotografie und Film, über die Filmzensur und über mutige Menschen zu schreiben. Ihre Geschichte ist angelehnt an viele einzelne Schicksale, die sie sehr gefühlvoll und faszinierend, wie auch bedrückend zusammengeführt hat. Besonders berührt hat mich Illes Verzweiflung und ihre bedingungslose Liebe zu ihrer Schwester, sowie Willis Liebe zu seinen beiden Schwestern und die Entwicklung, die er zwangsläufig durchmachen muss … Außerdem ziehe ich meinen Hut vor Felices Mut und Kraft, für Gerechtigkeit einzustehen, von ihr könnte sich damals wie heute so manch einer eine Scheibe anschneiden.

Der Roman hat mich sofort angeregt, die Sammlung der Artikel der „Wipers Times“, der Schützengrabenzeitung der Engländer in Ypern, sowie den folgenden Teil dieser Geschichte zu lesen … ich bin gespannt!

Lena

Was glaubt ihr, wie geht es mit den Geschwistern weiter? Können sie sich ihre Träume erfüllen?

Ich kann dich fühlen (Tess Tjagvad, Saga-Egmond-Verlag, 2022)

Ich kann dich fühlen (Tess Tjagvad, Saga-Egmond-Verlag, 2022)

„Was wäre, wenn. Es sind nur drei kleine Wörter, die keiner Fliege etwas zuleide tun, solange sie für sich allein stehen. Packt man sie jedoch zusammen, hat man womöglich das perfekte Chaos geschaffen.“ (aus „Ich kann dich fühlen“)

Mit dem Beginn ihres Studiums an der Fort Lake University möchte Kat einen Strich unter ihr bisheriges Leben setzten, ihre Vergangenheit hinter sich lassen und einfach unauffällig ihre Prüfungen möglichst gut absolvieren. Doch ein attraktiver Student, der gleichzeitig der Frauenheld schlechthin der Universität ist, aus einer der berüchtigten Studentenverbindungen macht ihr dieses Vorhaben zunehmend schwerer, da er mit allen Mitteln versucht, sie aus ihrer Komfortzone zu locken. Kat passt das gar nicht, doch auch sie muss sich eingestehen, dass sie ihn nicht einfach so abblitzen lassen kann. Doch kann sie überhaupt wieder Vertrauen fassen in einen Menschen, den sie kaum kennt – und dann auch noch ausgerechnet in Carter?

Puh, der Roman geht unter die Haut. Und das gleich aus mehreren Gründen: Zum einen haben sowohl Kat als auch Carter mit einer schweren Vergangenheit zu kämpfen, die sie irgendwie versuchen, gedanklich zu umgehen; und zum anderen ist es dem Leser dadurch, dass es Tess Tjagvad unheimlich gut gelungen ist, vor allem Kats Gefühle zu beschreiben, möglich, alle ihre Gefühle nachzuempfinden. Vic (Kats Mitbewohnerin) fragt Kat an einer Stelle: „Hattest du Herzklopfen? Gänsehaut? Das Gefühl, als wären in deinem Magen plötzlich Tausende Raketen gezündet worden?“ und ich hätte ihr am liebsten geantwortet: „Ja, hab‘ ich Vic! Schon lange und es will auch nicht mehr aufhören!“ Ich habe selten bei einem Roman so sehr mitfühlen können, wie bei diesem und ich wollte ständig so gerne in die Geschichte reinspringen und Kat unter die Arme greifen, damit sie sich endlich öffnen kann …!

Sprachlich ist der Roman leicht zu lesen und absolut keine Herausforderung, es ist super mal für zwischendurch. Allerdings sollte man nichts anderes vorhaben, denn es ist unmöglich, dieses Buch zwischendurch aus der Hand zu legen! 😉

Ich habe die Autorin bei einem digitalen Verlags-Event selbst ein bisschen kennenlernen dürfen und muss sagen, dass ich sie super sympathisch fand und auch deshalb so große Lust hatte, diesen Roman zu lesen! Nur hadere ich aktuell ein ganz kleines bisschen mit meiner Sympathie, da „Ich kann dich fühlen“ den übelsten Cliffhanger hat, mit dem ich jemals konfrontiert wurde … – aber es gibt ja einen zweiten Teil, der im Mai erscheinen wird. Also doch nicht so schlimm, die Geduld wird nur etwas auf die Probe gestellt. 😉

Insgesamt kann ich nur sagen, dass der Roman echt zu 100% lesenswert ist und sich ideal für eine kleine Auszeit vom Alltag eignet. Wer also Lust auf eine leichte Lektüre, ein bisschen Studienalltag und eine Geschichte rund um Freundschaft und Vertrauen hat – greift zu, ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen! Und mein Highlight, das euch endgültig überzeugen sollte: Es gibt eine Playlist zu dem Buch, sie steht hinten drin! Also lasst euch beim Lesen so richtig schön in die Stimmung der Geschichte tragen! 🙂

Lena

Wer hat beim Lesen noch die ganze Zeit mitgefiebert, wann Kat es endlich schafft, ihr Geheimnis zu erzählen? Und habt ihr auch so sehr mit ihr gelitten wie ich?

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

„Lebe nach deiner Melodie. Wenn du nach den Noten anderer tanzt, kommst du aus dem Takt.“ (Stefan in True Love)

Die junge Kunsthistorikerin Carlotta verbringt ihren Sommer für einen Sommerkurs in Venedig. Dort trifft sie durch einen Zufall auf den Architekten Stefan und zwischen den beiden funkt es von dem ersten Moment an. Wortwörtlich: Liebe auf den ersten Blick. Stefan lebt auf seiner Segelyacht ‚True Love‘, während er ein Forschungsjahr in Venedig beendet, um danach eigentlich weiter nach New York zu gehen. Doch ist das nicht das einzige Problem zwischen Carlotta und Stefan, denn Carlotta hat ein Geheimnis, von dem sie Stefan auf gar keinen Fall erzählen will, das es ihr allerdings unmöglich macht, ihrem Herzen zu folgen: Sie wurde als Prinzessin geboren und sie weiß, dass ihre Familie Stefan als nicht-adeligen Ehemann nicht dulden würde. Doch wie soll sie sich nun verhalten? Kann sie ihrem Herzen folgen und trotzdem nicht mit ihrer Familie brechen?

Der Roman führt den Leser an verschiedenste Orte, sowohl physisch als auch psychisch. Ob nun in Venedig, in den Bergen Südtirols, in der Millionenstadt New York oder in Paris, der Stadt der Liebe, immer blickt der Leser durch die Augen von Carlotta oder Stefan auf die Hindernisse, die einem jungen Paar durch Traditionen in den Weg gelegt werden können. Conny Redox thematisiert das Thema der Selbstbestimmung, aber gibt auch einen Einblick in alte Adelsbräuche, von denen Carlottas Familie geprägt ist. Lebendig und alltäglich wird die Geschichte durch kurze Einblicke in die Geschichte der Kunst, die die beiden verbindet, gemacht.

„True Love“ gibt dem Leser die Möglichkeit, aus dem Alltag zu fliehen und sich eine Auszeit in Venedig zu nehmen. Dabei kann man wunderbar entspannen, jedoch beschäftigte mich beim Lesen auch, wie es wohl sein mag, einem solchen Druck ausgesetzt zu sein, wie es bei Carlotta der Fall ist und ob man sich lösen kann, wenn man doch von Geburt an von seinem Vater nichts anderes hörte als „Adel verpflichtet und Adel verbindet“. Es macht aber auch zwischendurch einfach Spaß zu lesen, sich nach Venedig auf die ‚True Love‘ zu träumen und sich einfach ein glückliches Selbst vorzustellen.

Von daher kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der Lust auf ein wenig Romantik hat, dem Alltag mal entkommen muss und Spaß an einer leichten Lektüre findet!

Lena

Konntet ihr verstehen, dass Carlotta auf dem Schiff plötzlich solch einen Sinneswandel hatte? Und glaubt ihr, dass ihr mit eurer Familie brechen könntet, um eurem Herzen zu folgen?

Der Stammbaum unserer Familie / Wie ich aufwachse (Monika Kopřivová, 2021, Familium)

Der Stammbaum unserer Familie / Wie ich aufwachse (Monika Kopřivová, 2021, Familium)

„Familie ist wie Zweige an einem Baum, sie wachsen alle in unterschiedliche Richtungen, aber ihre Wurzeln bleiben dieselben.“

Dieses Zitat beschreibt das Prinzip eines Stammbaums ganz gut, denn irgendwo findet alles irgendwann wieder zusammen. Aber wir kennen es bestimmt auch alle, dass sich Geschwister, Kinder, Enkelkinder, Nichten und Neffen und wen es sonst noch alles gibt, irgendwann von der Familie absetzten, eine eigene Familie gründen und wegziehen. Die meisten von uns werden dann ein lachendes und ein weinendes Auge haben, denn so schade es auch ist, dass man sich nun nicht mehr jeden Tag sehen kann, so schön ist es doch auch zu sehen, wie die Familie wächst und sich entwickelt.

Gleichzeitig hat man als heranwachsende Person häufig das Problem, dass einem die Zeit, vor allem mit den Großeltern wegläuft. Und wenn es dann irgendwann zu spät ist, dann hätte man gerne so viel mehr gefragt, mehr über sie selbst, ihr Leben und ihre Vergangenheit erfahren. Doch wie spricht man so etwas an? Nun, es gibt zwei tolle Bücher, die uns die Möglichkeit geben, unser Leben und das unser Liebsten gemeinsam zu dokumentieren und darüber in den Austausch zu kommen.

„Wie ich aufwachse“ beginnt vor dem ersten Lebensjahr und endet mit dem 18. Geburtstag und den Eltern und Kindern ist es gemeinsam möglich, die größten Meilensteine im Leben der Kinder festzuhalten.

„Der Stammbaum unserer Familie“ ist ideal zum Herumgeben, denn jedem Familienmitglied gehört eine Seite, auf der man sich vorstellt. Und am Ende hat man die Großfamilie immer bei sich, ganz egal wo man sich gerade befindet.

Ich habe ein paar Seiten aus den Büchern fotografiert und zeige sie euch hier, damit ihr einen Eindruck von der liebevollen Gestaltung bekommt! Und dann kann ich echt allen Eltern empfehlen, sich das mal anzuschauen, denn für die Kinder und für die ganze Familie könnten diese Bücher ein Schatz für das Leben sein, der sie immer an ihre Wurzeln erinnert …

Lena

Meine Mama und mein Papa – wo komme ich eigentlich her? Wer sind meine Eltern?

Puh, ganz schön viele Personen, die es erst einmal zu ordnen gilt …

Großeltern, Urgroßeltern und alle anderen kommen auch noch … Und: Was hätten einige von ihnen mir vielleicht gerne noch gesagt? Manchmal kommt man in Gesprächen nicht direkt drauf, aber hinterher wünscht man sich dann, man hätte eine bestimmte Sache gesagt – das geht nicht nur uns so, sondern unsere Großeltern kennen das auch …! Gebt ihnen die Chance, das in Ruhe aufzuschreiben!

Winterbienen (Norbert Scheuer, 2019, C.H.Beck-Verlag; 2020 Verlagsgesellschaft mbH & Co.)

Winterbienen (Norbert Scheuer, 2019, C.H.Beck-Verlag; 2020 Verlagsgesellschaft mbH & Co.)

„Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.“ (Cicero / Auszug aus „Winterbienen“)

Januar 1944. Egidius Arimond lebt zusammen mit seinen Bienenvölkern in einem kleinen Dorf in der Eifel. Als Epileptiker gilt er aus der Sicht der Nationalsozialisten als unwertes Leben, gleichzeitig schützt es ihn aber auch vor dem Einsatz als Soldat im Krieg. Als die Eifel immer mehr unter Beschuss gerät, wird in dem kleinen Dorf allerdings alles ein bisschen schwerer. Er kommt nicht mehr leicht an seine wichtigen Medikamente und bei ihm werden Soldaten einquartiert. Grundsätzlich nicht so schlimm, nur erschweren diese Umstände seine Aufgabe: Er bringt als Schleuser jüdischen Flüchtlingen über die belgische Grenze – auf seine ganz eigene Art …

Der Roman ist das Tagebuch von Egidius Arimond. Norbert Scheuer wurde gebeten, seine Geschichte als Buch aufzuschreiben, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich von diesem Mann, der seiner Krankheit getrotzt hat und die Familientradition, die Imkerei, immer weitergeführt hat, inspirieren zu lassen. Egidius verbringt sein Leben bei den Bienenstöcken, in der Bibliothek oder aber in der Vergangenheit seiner Familie, in dem Leben von Ambrosius Arimond im 15. Jahrhundert.

Das Buch ist in sehr leichter Sprache geschrieben, da es aber ein Tagebuch ist zieht es sich beim Lesen manchmal etwas, vor allem wenn Egidius in der Welt seiner Bienen ist. Gleichzeitig ist aber genau dies auf irgendeine Art faszinierend, denn trotz all dem Grauen um sich herum, verliert er nie den Blick für seine Lebensinhalte.

Ich kann dieses Buch grundsätzlich jedem empfehlen, da es ein Einzelschicksal von großer Bedeutung ist. Allerdings würde ich es vor allem den Lesern in die Hand drücken, die sich gerne in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges bewegen, da diese Geschichte sehr tiefgründig ist.

Lena

Hättet ihr das Ende erwartet? Mich hat es regelrecht geschockt …

Die Klänge der Freiheit (Tara Haigh, November 2021, Tinte & Feder)

Die Klänge der Freiheit (Tara Haigh, November 2021, Tinte & Feder)

Wie klingt Krieg? Wie klingt Frieden? Und wie klingt Freiheit?

Die junge Frau Inge aus Nürnberg tritt 1943 ihren Dienst als Schwester des Deutschen Roten Kreuzes im Dienst der Wehrmacht zum Missfallen ihres Vaters an. Entgegen ihrem Wunsche, nach Nordafrika versetzt zu werden, muss sie in das Lazarett in Charkow, ein Ort, der an der Ostfront von Deutschen und Russen umkämpft wird. Die passionierte Geigenspielerin kämpft dort Tag und Nacht für das Leben der Soldaten und lernt die Grausamkeit des Krieges mit aller Härte kennen. Nach einiger Zeit eröffnet ihr der deutsche Offizier Preuss die Möglichkeit, mit ihm nach Italien zur Abtei Montecassino zu gehen und Inge ergreift die Chance, dem Kriegslazarett zu entkommen. Doch sie ist sich nicht ganz sicher, inwiefern sie Preuss, der offen um sie wirbt, trauen kann, denn obwohl er ein Kunstkenner ist und ihr Geigenspiel zu schätzen weiß, ist er Nationalsozialist und sein einiges Ziel ist der Endsieg.

Inge muss sich entscheiden. Kann sie dem Offizier, der ihr eventuell das Leben gerettet hat, trauen? Entscheidungen über Entscheidungen zwischen Liebe und Verrat und Zukunft und Vergangenheit …

Der Roman ist aus der Sicht von Inge erzählt, jedoch ist nicht sie es, die spricht. Man bekommt als Leser so aber einen tiefen Einblick in Inges Gedanken, Hoffnungen und Träume. Die Geschichte könnte man in zwei Teile teilen – zunächst die Zeit in Charkow, anschließend ihr italienisches Leben. In Charkow werden das Lazarett, die Vorgänge, die Probleme, die Verzweiflung und die Hoffnung sehr eindrücklich beschrieben, sodass man als Leser den Eindruck hat, dabei zu sein. Und auch in Italien spürt man den Sonnenschein auf der Haut, aber auch die Angst, die Wut und die Kraft der Menschen bleiben einem nicht verborgen.

Mir haben diese realistischen Schilderungen Inges‘ Leben besonders gut gefallen und so schwer es auch war, mit ihr im Lazarett zu operieren, so sehr konnte ich mich dann aber auch freuen, wenn sie jemanden retten konnte. An Preuss habe ich schon die ganze Zeit zu knapsen gehabt. Sollte sie ihm trauen? War es richtig, dass sie ihm nach Italien gefolgt ist? Ich war bis zum Ende unentschlossen, habe aber meine Antwort letztendlich aus unerwarteten Gründen gefunden …

Ich kann diesen Roman allen Lesern empfehlen, die sich für die medizinische Seite des Krieges interessieren. Was passierte hinter den Kulissen? Wie war so ein Lazarett strukturiert. Und dann – was für eine Beziehung herrschte zwischen Deutschland und Italien? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr in dem Roman und es lohnt sich wirklich!

Lena

Der Roman beschäftigt sich immer wieder mit Klängen. Es geht um Krieg, Frieden und Freiheit. Aber kann man diese Gefühle hören? Und wo trifft man auf diese Geräusche? Kennt ihr sie? Wie stellt sie ihr euch vor? Teilt und das gerne mit, ich hatte vor dem Lesen dieses Buches auch andere Vorstellungen, als es dann war.

Antwortet uns auf diese Fragen und teilt uns bis Sonntag, den 28.11.2021 mit, was für Vorstellungen ihr im Kopf habt! Denn dann landet euer Name gleich im Lostopf für – ein Gewinnspiel! Ja genau, wir verlosen ein Exemplar! Also los, wir sind gespannt! 🙂

Ihr könnt diese ganze Woche noch Beiträge rund um diesen Roman auf folgenden Blogs finden: denkzeiten.com, fraugoetheliest.wordpress.com, tesbuecherblog.blogspot.de, spiegelseelen.blogspot.de, kunterbuntebuecherreisen.wordpress.com