Jahre aus Seide (Ulrike Renk, 2020, Aufbau-Taschenbuch-Verlag)

Jahre aus Seide (Ulrike Renk, 2020, Aufbau-Taschenbuch-Verlag)

„Wenn ich einmal nicht mehr auf dieser Welt bin, dann sehen meine Enkel und Urenkel aus diesem Buch, dass meine Jugend, so schön sie mir von meinen Eltern auch gemacht wurde, doch nicht so sorgenlos war, wie [es], so hoffe ich fest, meine Nachfahren einmal haben werden.“ (Auszug aus dem Tagebuch von Ruth Meyer)

1932. Ruth Meyer lebt zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Ilse und ihren Eltern in einem schönen Haus in Krefeld, wo sie am liebsten Zeit in der benachbarten Villa des Seidenhändlers Merländer mit ihrer Freundin Rosi verbringt. Sie hat eine unbeschwerte Kindheit und Jugend, lernt das Nähen zu lieben und sie begegnet ihrer ersten großen Liebe Kurt. Die Sommer verbringt die Familie am liebsten mit der befreundeten Familie Aretz und Ruths Cousin Hans in der Sommerfrische.

Als jedoch die Nationalsozialisten an die Macht kommen, scheint es für die Familie keine Zukunft in Krefeld zu geben, denn die Meyers sind jüdisch. Mehrere befreundete Familien überlegen, auszuwandern und auch Ruth soll gegen ihren Willen von der Familie fortgehen. Doch bevor irgendjemand Entscheidungen treffen kann, kommt der Tag, an dem das Schicksal der Familie Meyer in Ruths Händen liegt …

„Jahre aus Seide“ ist der erste Teil von vier Bänden, die die Geschichte von Ruth und ihrer Familie erzählen. Die Romane basieren sowohl auf sehr ausführlichen Nachforschungen der Autorin, als auch auf Ruths Berichten aus ihrem Tagebuch, denn die Geschichte ist wahr. Die Familie Meyer lebte wirklich in Krefeld und in meinen Augen hat die Tatsache, dass all die Eindrücke, die aus Ruths Perspektive beschrieben sind, wahr sind, die Geschichte umso wertvoller und berührender gemacht. Ulrike Renk hat mich weinen, hoffen und lachen lassen, weil sie mich auf eine Reise zu einer Familie mitgenommen hat, die von einem Hochpunkt im Leben zu einem Tiefpunkt gesprungen ist und trotzdem nie gänzlich die Hoffnung verloren hat.

Die Familie Meyer war eine gut situierte jüdische Familie, was ihnen sehr vielen Punkten zum Verhängnis geworden ist, in anderen Momenten aber auch ein wenig geholfen hat. Die Romane sind die ganze Zeit aus Ruths Perspektive oder aber aus der eines allwissenden Erzählers geschrieben, wodurch man als Leser wirklich ganz nah an der echten Handlung und den echten Gefühlen dran ist. Ich habe die Romane verschlungen und geliebt, auch wenn es zwischenzeitlich echt schwierig war, das Gelesene zu verarbeiten. Es ist eine sehr tiefgründige Geschichte, die aber als leichte Lektüre verpackt ist und deshalb würde ich jedem, der an Einzelschicksalen, die es aber in tausendfacher Zahl gab, interessiert ist, empfehlen, sie Zeit für diese Romane zu nehmen.

Lena

Hättet ihr eure Familie verlassen, um zu arbeiten und mit der Mini-Hoffnung, dass ihr sie damit retten könnte? Und was habt ihr gefühlt, als Ilse und Ruth nach der Reichskristallnacht in die Friedrich-Ebert-Allee gekommen sind?

My sister’s keeper (Jodi Picoult; 2004 – self-published)

My sister’s keeper (Jodi Picoult; 2004 – self-published)

“If you have a sister and she dies, do you stop saying you have one? Or are you always a sister, even when the other half of the equation is gone?”

Diese Gedanken macht sich die 13-jährige Anna Fitzgerald, die geboren ist, um ihrer Schwester Kate, die an Leukämie leidet, das Leben zu retten. Eigentlich ein ehrenwerter Job, oder? Aber wie würdest du damit umgehen, wenn du weißt, dass es dich nur gibt, weil deine Schwester todkrank ist? Da ist es doch selbstverständlich, dass Anna sich fragt, was wäre, wenn Kate gesund gewesen wäre …

Anna möchte nicht mehr spenden. Seit sie ein Baby ist, stand es nie zur Diskussion, ob sie ihr Blut oder ihre Stammzellen spenden möchte. Es war eben so und wenn Kate etwas brauchte, dann war es klar, dass Anna auf Feriencamps oder Geburtstage verzichtete. Doch so möchte sie nicht weiterleben. Anna wünscht sich, selber über ihr Leben entscheiden zu können und ihr Leben in der eigenen Hand zu haben. Anlass für diese Gedanken ist die Spende einer Niere, die Annas Leben für immer beeinflussen würde …

So nimmt sie sich einen Anwalt und zieht vor Gericht. Sie möchte erreichen, dass sie medizinische Entscheidungen selber treffen darf und in diesem Punkt unabhängig von ihren Eltern wird. Doch erteilt man einem 13-jährigen Mädchen diese Macht? Und wie stehen ihre Eltern und viel wichtiger – ihre Schwester dazu?

Ich bin beeindruckt von dem Roman! Er ist aus den verschiedenen Perspektiven geschrieben, also bekommt man Einblicke in die Gedanken aller Familienmitglieder, sowie in die der am Prozess beteiligten Personen. Ich musste meine anfängliche Meinung zu einigen Personen auf Grund dessen auch so manches Mal revidieren, da sich hinter einer harten Schale nicht selten ein weicher Kern versteckt – und andersherum. Zudem konnte ich mich sehr gut in Anna hineinversetzen: Einerseits möchte sie ihr Leben selber in die Hand nehmen und andererseits möchte sie nicht für den Tod ihrer Schwester verantwortlich sein. Und es gibt da auch noch ein paar andere Faktoren, die sie in ihrer Entscheidung beeinflussen …

Ich habe mich häufig gefragt, wie ich in so einer Situation handeln würde. Ich habe versucht, mir vorzustellen wie es ist, mit einem Grund geboren zu sein. Und ich habe angefangen Kate genauso zu lieben wie es Anna und ihre Familie tun – und so vielen mit einige Passagen im Roman umso schwerer. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen! Wirklich, es thematisiert auf einem sehr angenehmen Weg ethische Probleme und die Geschichte ist zugleich interessant, herzerwärmend und auch etwas hart zu lesen.

Lena

Tja, welche Frage hier kommt ist wohl klar, oder? Wie hättet ihr an Annas Stelle gehandelt? Und hatte noch jemand Tränen in den Augen, als der Roman zuende war?

The song of Achilles (Madeline Miller; 2001 – Bloomsbury publishing)

The song of Achilles (Madeline Miller; 2001 – Bloomsbury publishing)

Achilles! Diesen Namen haben die meisten von euch bestimmt schon einmal gehört. Sagenhaft sind seine Abenteuer. Weniger überliefert ist sein Leben vor dem Kampf um Troja und abseits des Ruhms.

Wer ist Achilles? Einer der besten Kämpfer Griechenlands, unsterblich geworden durch die Schlacht gegen Troja. Seine göttliche Mutter Thetis tauchte ihn als kleines Kind in den Styx, den Fluss der Unterwelt, weshalb er eigentlich unverwundbar sein sollte. Nur an der Ferse, an der sie ihn festgehalten hat, kann man ihn noch verletzten. Nie ist Achilles ohne seinen Gefährten Patroclus unterwegs. 

Patroclus wuchs als Prinz auf, doch als er als etwa zehn Jahre alt ist, verletzt er in einem Streit einen Jungen, der danach an seinen Wunden stirbt. Nach diesem Unglück wird er ins Exil nach Phthia zu König Peleus geschickt. Im Schloss freundet er sich mit dessen Sohn, dem Prinzen Achilles, an und die beiden werden beste Freunde. Thetis sieht das gar nicht gerne. Sie glaubt an die Weissagung: Achilles soll eines Tages der beste Kämpfer Griechenlands sein. So will sie ihn erst als Helden, dann als Gott sehen. Der weniger begabte Patroclus ist aus ihrer Sicht ein normaler Sterblicher, der Achilles nicht ebenbürtig ist. Deshalb schickt sie ihren Sohn in die Berge. Dort soll er bei dem Zentauren Chiron lernen. Doch die beiden Jungs lassen sich nicht so leicht auseinanderbringen und Patroclus kommt heimlich nach. Während der Jahre, die sie bei Chiron verbringen, entwickelt sich aus der Freundschaft der beiden eine geheime Liebe.

Dann wird die schöne Helena entführt. Der Trojanische Krieg bricht aus. Thetis versteckt Achilles erneut und folgt damit einer zweiten Weissagung. Danach wird Achilles entweder in Troja fallen oder ein langes, aber wenig ruhmreiches Leben führen. Diesmal nimmt Thetis ihren Sohn heimlich in der Nacht mit nach Skyros, wo er sich als Tochter des König Lykomedes ausgeben soll. 

Wieder gelingt es Patroclus ihm zu folgen. Selbst als Achilles später doch nach Troja aufbricht, begleitete er ihn. Doch wird sich die Weissagung erfüllen? Was geschieht in Troja?

Dies ist eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe. Zwar ist es auch traurig, aber auf eine schöne Art. Die Freundschaft, ja Liebe, der beiden jungen Männer wird sehr eindrücklich aus Patroclus‘ Perspektive beschrieben. Der Roman ist in der Gegenwart geschrieben, was einen noch mehr im Geschehen drin sein lässt. Als Mythologiefreak war mir Achilles vertraut. Von Patroclus hatte ich aber noch nie gehört und fand es sehr toll, Achilles mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Am schönsten fand ich die Szenen bei Chiron, die ein Gefühl von Sommer, Lebensfreude und Freiheit vermitteln. 

Majlis

Welche Szene hat euch am besten gefallen? Konntet ihr am Ende Patroclus‘ oder Achilles‘ Meinung besser nachvollziehen? Schreibt es in die Kommentare : )

Die deutsche Fassung findet ihr unter „Das Lied des Achill“ („2011 – Bloomsbury Berlin)

Dies ist die Lösung zu Collage 01

Maze Runner (James Dashner, 2009; The Chicken House – Verlag)

Maze Runner (James Dashner, 2009; The Chicken House – Verlag)

„Dich zu retten war es wert, das zu verlieren, was zwischen uns war.“ (aus „Die Auserwählten in der Brandwüste)

Thomas ist ein Licht. Aber als er in der Box aufwacht und sich an nichts außer seinem Namen erinnern kann, ist er zunächst einmal verwirrt und verzweifelt. Um ihn herum stehen die anderen Lichter, die eine Gruppe von rund fünfzig Jungs im Teenageralter sind und sich so nennen, da sie auf der Lichtung wohnen. Thomas wird zunächst sehr nett aufgenommen und Chuck, der jüngste kümmert sich rührend um ihn. Neben Chuck lernt Thomas auch schnell Alby, den Anführer und Newt, quasi den Stellvertreter von Alby kennen. Die Lichter leben seit zwei Jahren auf der Lichtung, die von einem riesigen Labyrinth umgeben ist, aus dem sie schon seit zwei Jahren versuchen, einen Ausgang zu finden. Diese Aufgabe haben die Läufer übernommen, deren Anführer Minho ist und von denen Thomas sofort fasziniert ist.

Am nächsten Tag sind jedoch alle Lichter aus dem Häuschen, da unerwartet ein im Koma liegendes Mädchen auf der Lichtung ankommt, die das Ende voraussagt. Von da an sind die meisten Thomas gegenüber misstrauisch und es gilt umso schneller einen Weg aus dem Labyrinth zu finden und vor ANGST zu fliehen. ANGST, so vermuten die Lichter, ist die Organisation, die sie gefangen hält.

Die Trilogie ist unfassbar spannend zu lesen! Ich war am Anfang etwas skeptisch, aber in jedem Kapitel passiert etwas und manchmal würde man das Buch am liebsten in die nächste Ecke schmeißen. Mich hat fasziniert, wie James Dashner eine Welt mit so vielen Facetten und Figuren kreiert hat und wie real alles für mich wirkte. Die Kapitel sind recht kurz und es ließt sich sehr schnell, wodurch ich wirklich durch die Geschichte geflogen bin. Aber man kann auch nicht mehr aufhören, da es im Roman keine Brüche gibt. Das fand ich toll! Ich habe beim Lesen gelacht und geweint und ich habe das Buch geliebt und gehasst. James Dashner hat es geschafft, alle meine Emotionen in einer Trilogie zu vereinen und das hat mich beeindruckt.

Außerdem hat mich gerade der dritte Teil sehr zum Denken angeregt, da ich mir überlegt habe, wie ich mich in der Geschichte verhalten hätte. Alle die, die das Buch gelesen haben, werden wissen was ich meine …

Ich kann die Reihe allen Fantasy-Liebhabern empfehlen und bin gespannt auf die Prequels zur Reihe, denn dort erklärt sich hoffentlich einiges …

Lena

Ganz ehrlich – wie hättet ihr euch am Ende an Thomas Stelle verhalten? Hättet ihr schießen können? Und hättet ihr den Mut gehabt, Läufer zu werden und euch den Griewern zu stellen? Schreibt es in die Kommentare und vielleicht habt ihr auch ein Lieblingszitat? Ich bin gespannt! 😊

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück (Lilly Bernstein; 2020, Ullstein Taschenbuch)

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück (Lilly Bernstein; 2020, Ullstein Taschenbuch)

Ein Krieg spaltet und schweißt zusammen, lässt die Menschen lieben und hassen, bringt Mut und Angst hervor und selbst in den hoffnungslosesten Momenten sucht jeder nach dem kleinen Schimmer in der Ferne …

Anna wächst in Köln bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias in der Bäckerei auf. In demselben Haus, nur eine Etage weiter oben lebt auch Annas beste Freundin Ruth, mit der sie ihre Nachmittage verbringt. Doch das Jahr 1941 wird Anna immer negativ in Erinnerung bleiben. Erst verschwindet Ruth mit ihrer Familie und Anna findet lediglich den tollen Globus der Familie und Elsbeth, Ruths heiß geliebte Puppe. Und dann wird auch noch Matthias eingezogen und Anna und Marie müssen die Bäckerei alleine führen. Als diese bei einem Luftangriff dann auch noch zerstört wird, scheint alles vorbei zu sein. Um ihre kleine Familie am Leben zu halten, schließt Anna sich einer Schwarzmarktbande an und wird als „Mädchen mit dem Hammer“ beim Kohleklauen bekannt.

Doch auch das hilft nicht viel, als der Winter erbarmungslos über sie hereinbricht und zum unpassendsten Zeitpunkt entdeckt Anna auch noch ihre Liebe zu einem Jungen, der plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. In ihrer größten Not halten Marie und Anna zusammen und glauben an ihren Traum, die Bäckerei wieder aufzubauen. Und Tag für Tag hoffen sie, dass die Männer, die sie lieben, zurückkehren.

Der Roman von Lilly Bernstein hat mich zutiefst beeindruckt, entsetzt und gefesselt. Köln im und nach dem Krieg wird so realitätsgetreu beschrieben, sodass ich von Zeit zu Zeit das Gefühl hatte, mit Anna über den Eigelstein zu laufen und ihre Zigaretten zu tauschen. Besonders faszinierend fand ich, wie stark die beiden Frauen geblieben sind und was sie alles an Rückschlägen einstecken mussten. Doch wo der Krieg Kluften reißt, schweißt er auch zusammen und in der Not entstehen die größten Kräfte. Das hat der Roman mir vor Augen geführt und ich bewundere alle, die dieses Schicksal teilen mussten, auch wenn ich mir die Strapazen glaube ich nicht einmal im Geringsten vorstellen kann. Und doch hat die Autorin mich fassungslos werden lassen und so gerne hätte ich Anna und ihrer Familie in den schwersten Zeiten beigestanden!

Die Geschichte ist erfunden, aber die Autorin hat sich in vielen Details von ihrer Kindheit und Familiengeschichte inspirieren lassen. Dadurch hat sie zum Beispiel den Duft des frisch gebackenen Schwarzbrots haargenau beschreiben können und sogar ich, die nicht in einer Bäckerei aufgewachsen ist, hatte den Duft in der Nase! 😊

Lena

Findet ihr es auch ungeheuerlich, dass sich Kinder wie Anna so gut auf dem Schwarzmarkt behaupten können? Würdet ihr es euch selber zutrauen? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Die Nachtigall (Kristin Hannah; 2019; Aufbau-Verlag)

Die Nachtigall (Kristin Hannah; 2019; Aufbau-Verlag)

„Zwei Schwestern. Die eine kämpft für die Freiheit. Die andere für die Liebe.“

Vianne und Isabelle sind zwei Schwestern, die in ihrer Kindheit keine Liebe erfahren haben und sich voneinander distanzierten. Während Vianne ihr Glück mit ihrem Ehemann Antoine gefunden hat, ist die jüngere Isabelle auf sich gestellt und weder bei ihrer Schwester noch bei ihrem Vater willkommen. Doch ein Krieg ändert alles und so stellen sich auch die beiden zu Beginn des zweiten Weltkriegs die Frage, was man tun kann, um die zu retten, die man liebt.

Vianne Mauriac lebt mit ihrer Tochter Sophie und ihrem Mann in Carriveau, einem kleinen Dorf im Loiretal. Als Antoine als Soldat einberufen wird, denkt Vianne, dass nun das Schlimmste gekommen sei. Sie ahnt zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Judenverfolgung und von der Einquartierung Deutscher bei französischen Frauen … Zusammen mit Sophie kämpft Vianne um das bloße Überleben und muss dabei die schmerzhaften Erfahrungen des Verlustes, der Angst, der Wut und der Verzweiflung machen. Aber für die, die sie liebt, lebt sie immer weiter, egal was kommt …

Isabelle Rossignol, die in ihrer Jugend aus einer Klosterschule nach der anderen fliegt, versucht zum wiederholten Mal, bei ihrem Vater in Paris unterzukommen. Dieser jedoch stößt sie wie immer von sich und Isabelle macht sich auf den Weg zu Vianne. Auf dem Weg trifft sie auf Gaёton, einen Widerstandskämpfer, der sie dazu inspiriert, selber aktiv zu werden. Durch Zufall gerät sie an die Widerstandsgruppe um Levy, mit der sie die Fluchtroute der Nachtigall über die Pyrenäen ausarbeitet. Der Plan ist es, abgeschossene Piloten der RAF, aus Kanada oder den USA nach Spanien zu bringen – und Isabelle soll den Weg gehen …

Während des Krieges merken die Schwestern, wie wichtig die Familie ist, aber können sie in Zeiten wie diesen füreinander da sein? Kann Vianne Isabelle bei sich aufnehmen, die etwas tut, wofür sie jeden Moment erschossen werden könnte? Und hat die Liebe im Krieg eine Chance?

Ich habe diesen Roman, der im Wechsel aus der Sicht von Vianne und Isabelle geschrieben ist, mehrfach gelesen und wie beim ersten Mal, so war ich auch beim zweiten Mal noch zutiefst beeindruckt von der Courage und Bedeutung der Frauen im Zweiten Weltkrieg. Ich glaube, dass vielen häufig gar nicht so bewusst ist, was für eine wichtige Rolle die Frauen im Krieg hatten, wo die Männer alle an der Front waren. Und nicht ohne Grund wurde der weibliche Widerstand als der zäheste und gefährlichste angesehen. In diesem Roman schildert Kristin Hannah sowohl familiäre als auch moralische Konflikte, die zu Hunderten oder auch Tausenden im Krieg stattgefunden haben werden.

Im Einzelnen hat mich besonders das Durchhaltevermögen von Vianne, die für sehr viele französische Frauen unter der Herrschaft der Nazis steht, beeindruckt und wie sie trotz beinahe täglicher Rückschläge für ihre Tochter weitergelebt hat. Und auch Isabelle hat in mir den Wunsch geweckt, im Ernstfall so zu handeln wie sie. Denn dieses scheinbar so furchtlose Mädchen hat Sachen bewirkt, die keine Armee von Soldaten zustande bringen könnte.

Aber neben all diesen Punkten ist mir vor allem klar geworden, wie wichtig die Familie und die Liebe ist, denn die gibt uns Kraft, von der wir eigentlich glaubten, dass sie uns längst verlassen hat.

Lena

Könnt ihr euch besser mit Vianne oder mit Isabelle identifizieren? Warum? Und versteht ihr, dass Vianne ihre Schwester von sich stößt, als diese eigentlich dringendst Hilfe braucht? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Again-Reihe (Mona Kasten; 2016 – 2020; LYX-Verlag)

Again-Reihe (Mona Kasten; 2016 – 2020; LYX-Verlag)

„Wenn wir ehrlich zueinander sind, kann das nur helfen. Da bin ich mir sicher.“ (Blake in „Dream again“)

In diesem Satz steckt eine Nachricht, die sich durch alle fünf Romane der Reihe zieht. Man muss miteinander reden, um sich vertrauen zu können.

Die Geschichte spielt in Woodshill, wo Allie zum Studieren hinzieht. Sie kommt mit dem Wunsch dort an, ihr Leben noch einmal von vorne zu beginnen. Doch schon die Wohnungssuche bringt sie fast zum Verzweifeln, sodass sie letztendlich gezwungen ist, bei dem grimmigen Kaden einzuziehen, der sie eigentlich unter keinen Umständen in seiner Wohnung haben möchte. Für Allie ist der attraktive Mann mit den Tattoos der Inbegriff von Bad Boy und sie tut alles, um im aus dem Weg zu gehen. Sie ist tierisch genervt, zumal Kaden gleich am Anfang ein paar Regeln aufstellt. Neben den Fernsehzeiten ist das auch festgelegt, dass die beiden niemals und unter keinen Umständen etwas miteinander anfangen werden. Diese Regel, die Allie zunächst für die einfachste gehalten hat, wird ihr, während sie Kaden kennenlernt, aber immer schwerer einzuhalten …

In den folgenden Bänden bleibt der Leser in Woodshill, jedoch geht es nicht länger um Allie. Fünf verschiedene Geschichten, fünf verschiedene Mädchen und fünf verschiedene Schicksale. Mal geht es um die Familie, dann spielt die Karriere eine Rolle oder es ist doch das Studium, das an der eigentlich so tollen Universität nicht mehr möglich erscheint.

Mona Kasten hat den Lesern mit ihrer Reihe eine Familie geschenkt! Ganz zu Beginn fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass Allies Geschichte nach dem ersten Roman vorbei sein sollte, aber gerade der Wechsel der Protagonisten hat die Geschichte komplett gemacht. Denn so ist es wie nach Hause kommen. Jedes Mal, wenn ich eins der Bücher aufgeschlagen habe, hatte ich wieder das Gefühl, Teil dieser Clique, der Familie zu sein, die dort in Woodshill entstanden ist. Keiner der Charaktere ist hinten runtergefallen, jeder hatte immer irgendeine Rolle und somit musste man sich auch nie von jemandem verabschieden, den man liebgewonnen hatte.

Ich persönlich möchte nicht behaupten, dass ich mich mit den Protagonisten identifizieren konnte, weil ich, zum Glück, nichts von dem erleben musste, mit dem die Charaktere sich auseinandersetzten musste. Dennoch sind das Schicksale, die tausendfach in der Welt auftreten und ich konnte fühlen, wie sehr es ihnen wehgetan hat. Ich konnte mich in sie hineinversetzten und hätte manchmal so einiges dafür gegeben, ihnen zu sagen, dass sie aus ihren Problemen stärker hervorkommen werden als sie reingegangen sind. Und dabei sollte man niemals vergessen, dass es hilft, sich seinen Freunden und der Familie anzuvertrauen … Es hat mir richtig Spaß gemacht, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein!

Lena

Welche Geschichte hat euch am meisten beeindruckt? Warum? Und wer würde auch gerne nach Woodshill und dort studieren? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Die Edelsteintrilogie (Kerstin Gier; 2009 ,2010, 2016 – Arena Verlag)

Die Edelsteintrilogie (Kerstin Gier; 2009 ,2010, 2016 – Arena Verlag)

In die Vergangenheit reisen – das wollten wir doch alle schon mal können, oder? Nicht aber, wenn man unkontrolliert durch die Zeit springt. So geht es nämlich Gwendolyn nach ihrem 16. Geburtstag.

Auf einmal springt die junge Londonerin in einem Ohnmachtsanfall aus der Gegenwart und landet für etwa zehn Minuten zwar am selben Ort, aber in einer völlig fremden Zeit. Bis dies wiederholt auftritt, denkt sie an Phantasien. Doch dann erfährt ihre Mutter davon und bringt sie zur sogenannten „Loge“. Was Gwendolyn bisher nicht wusste: Trotz ihres Nachnamens „Shepherd“ gehört sie zur Familie der Montroses. Zwölf Familienmitglieder aus den Familien Montrose und De Villiers besitzen das sogenannte Zeitreise-Gen. Allerdings dachten alle, dass Charlotte, Gwendolyns Cousine, die letzte Zeitreisende sei. Deshalb ist diese zusammen mit Gideon de Villiers, ihrem zwei Jahre älteren Zeitreisebegleiter, von Kindheit auf trainiert und auf Zeitreisen vorbereitet worden, denn es ist so, dass alle männlichen Zeitreisenden aus der Familie der de Villiers stammen und alle weiblichen aus der Linie der Montroses. Sie lernten zum Beispiel Moden, Tänze, Sprachen und Etikette verschiedener Epochen. Schon vor vielen Jahren wurden die Geburtsdaten der Genträger vorherbestimmt, sodass sich die Loge ziemlich sicher sein konnte, wer zu den Zeitreisenden gehört. Obwohl das unkontrollierte Reisen erst mit dem 16. Geburtstag einsetzt, konnten Charlotte und Gideon also schon vorher trainiert werden. Allerdings hat Gwendolyns Mutter deren Geburtsdatum gefälscht, da sie hoffte, so den Kontakt zur Loge umgehen zu können. Als sich nun herausstellt, dass an Charlottes Stelle Gwendolyn das Gen geerbt hat, herrscht zunächst ziemliche Verwirrung. Charlotte ist beleidigt, Gideon ist genervt und Gwendolyn ist ziemlich überfordert. Zum Glück hilft ihr ihre beste Freundin Leslie, das alles durchzustehen.

Um die unkontrollierten Zeitsprünge zu vermeiden, muss Gwendolyn täglich zum Elapsieren. Das bedeutet, dass sie mit dem Chronografen, einer Zeitreise-Maschine, die aber nur die Genträger benutzen können, in die Vergangenheit geschickt wird. Obwohl sie der Loge nicht vertraut, muss sie sich wohl oder übel in deren Hände begeben. Zusätzlich muss sie zusammen mit Gideon Aufträge in der Vergangenheit erledigen. Schon bald naht Gwendolyns erster Einsatz. Doch wie soll sie es schaffen, die Tänze und Etikette innerhalb von wenigen Wochen zu beherrschen, die Charlotte und Gideon in mehreren Jahren gelernt haben? In den Augen der beiden ist sie der Tollpatsch, der nichts auf die Reihe bekommt. Doch nach und nach merkt Gwendolyn, dass Gideon vielleicht doch so kein großer „Kotzbrocken“ ist. Allerdings muss sie dafür bald feststellen, dass man nicht jedem vertrauen kann.

Eine großartige Buchreihe! Kerstin Gier lässt uns Leser komplett in die Geschichte eintauchen und so alle Abenteuer zusammen mit Gwendolyn erleben. Eine coole Idee fand ich auch, den Grafen von Saint Germain einzubringen, den es wirklich gegeben hat, und ihm einen neuen Charakter zu geben. Nicht nur die Idee hinter der Geschichte, sondern auch deren Umsetzung hat mir super gut gefallen. Die Bücher gehören definitiv zu meinen Lieblingsbüchern und ich habe schon mehrmals das tolle Gefühl erleben dürfen, nach langer Zeit wieder in die Geschichte eintauchen zu können und zu merken, dass man fast vergessen hat, wie toll die Romane sind. 

Ich habe mich dafür entschieden, die Buchreihe als Ganzes zu rezensieren, weil die Bücher nahtlos aneinander anknüpfen und auch die ganze Buchreihe in wenigen Wochen spielt. Die einzelnen Bände heißen übrigens: „Rubinrot -„, „Saphirblau -“ und „Smaragdgrün – Liebe geht durch alle Zeiten“.

Zudem möchte ich auf die Filme aufmerksam machen. Die Geschichte ist dieselbe, aber etwas anders auf die verschiedenen Teile aufgeteilt. Zudem wurden natürlich Ereignisse weggelassen, aber auch einige neue Elemente mit eingebracht. Insgesamt sind die Filme also etwas anders als die Bücher, aber sie haben mir auf ihre Weise genauso gut gefallen. Ich kann die Filme wirklich allen empfehlen, auch denen, die grundsätzlich lieber Bücher als deren Verfilmungen mögen. 

Majlis

PS Wärt ihr gerne in Gwendolyns Situation? Fandet ihr die Bücher oder die Filme besser (ich kann mich nicht entscheiden 😉 )? Schreibt es in die Kommentare 🙂