Klaras Schweigen (Bettina Storks, 2021 – Diana Verlag)

Klaras Schweigen (Bettina Storks, 2021 – Diana Verlag)

„Alles bleibt ein Teil von uns.“

Liebe, Hass, Unterdrückung und Mut – all das hat die 90-jährige Freiburgerin Klara Schilling im und nach dem Krieg durchlebt. Nach einem Schlaganfall findet sie nur schwer ihre Sprache wieder und die ersten Worte, die ihr über die Lippen kommen, sind ausgerechnet Französisch. Eine Sprache, von der ihre Enkelin Miriam dachte, dass Klara diese niemals erlernt hätte.

Miriam ist Mitte vierzig und wurde von ihren Großeltern großgezogen, da ihre Eltern bei einem Autounfall tödlich verunglückt sind. Sie unterrichtet an der Universität in Freiburg Literatur und pflegt ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Großmutter und ihrer Großtante Lotte, der jüngeren Schwester von Klara. Miriam freut sich sehr, als ihre Großmutter wieder zu sprechen beginnt, wundert sich jedoch zum einen über die Sprache und zum anderen darüber, dass Klara einen französischen Namen, Pascal, immer wiederholt. Da sie weder von Klara noch von Lotte Informationen erhält und bei letzterer durchaus auf Ablehnung stößt, beginnt sie selber nachzuforschen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer besten Freundin Pia, die sie auf eine Reise zu sich selbst und ihrer Familiengeschichte schickt, bei der es sie auch ins entfernte Saint Malo führt …

Der Roman spielt zum einen Teil in der Gegenwart (2018), zum anderen Teil aber auch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Abwechselnd taucht der Leser in Miriams Suche nach Antworten und in Klaras Vergangenheit ein, wobei sich mit der Zeit Fragen, Probleme und Antworten auftun. Beim Lesen wird man in die Probleme der Nachkriegszeit eingeführt und zusammen mit Miriam erfährt man, zu was die Menschen aus gesellschaftlichen Gründen zum Teil gezwungen waren und wie sich das auf Familien ausgewirkt hat.

Ich persönlich habe beim Lesen die unterschiedlichsten Gefühle gespürt. Manchmal habe ich es gehasst, wie sich die Charaktere verhalten haben, mal gezwungenermaßen, mal auch aus freien Stücken. Aber dann habe ich auch geliebt, wie stark die Frauen aus ihren Problemen hervorgegangen sind, wie sie sich gegenseitig unter die Arme gegriffen haben und für das wirklich Wichtige gekämpft haben. Bettina Storks hat es geschafft, mich zum Weinen, zum Lachen, zum Verzweifeln und zum Lieben zu bringen und das Leseerlebnis war großartig! Gerade am Ende war ich überwältigt von meinen Gefühlen, denn ich habe das Buch mit einem weinenden und einem lachenden Auge beendet und der Kern der Geschichte geht mir noch lange nach dem Lesen nicht aus dem Kopf.

Ich empfehle diesen Roman grundsätzlich allen! Aber vor allem diejenigen, die historisch interessiert sind und selber gerne miträtseln werden ihn lieben, es ist einfach eine schöne Geschichte, die einen berührenden Touch zur Wahrheit hat.

Lena

Was hättet ihr an Klaras Stelle gemacht, als sie plötzlich ganz allein dastand? Und wie glaubt ihr, hättet ihr reagiert, wenn ihr den Brief von Miriams Großvater gefunden hättet? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Weitere Bücher von Bettina Storks: Leas Spuren (Bettina Storks; 2019 – Diana-Verlag), Das geheime Lächeln (Bettina Storks; 2018; Diana-Verlag)

Das geheime Lächeln (Bettina Storks; 2018; Diana-Verlag)

Das geheime Lächeln (Bettina Storks; 2018; Diana-Verlag)

„Verdrängtes ist nicht verschwunden.“ (Emilia in „Das geheime Lächeln“)

Die Journalistin Emilia Lukin und ihr Mann Vladi leben zusammen in Baden-Baden und machen gerade eine etwas schwierige Zeit durch. Beim Arbeiten stößt sie durch Zufall auf ein Gemälde einer Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie schließt daraus, dass es sich um ihre Großmutter Sophie handeln muss, über die niemand in der Familie spricht, am allerwenigsten ihre Mutter Pauline. Diese gedankliche Ablenkung kommt ihr sehr gelegen und kurzentschlossen fährt Emilia zu der angekündigten Auktion und ersteht das Bild ihrer Großmutter, deren Geschichte sie aber auch dann nicht in Ruhe lässt. Was hat es mit dieser Frau auf sich, um die in ihrer Familie so ein großes Geheimnis gemacht wird und die lange Zeit ihres Lebens in Paris verbracht hat?

Um mehr über diese ominöse Frau herauszufinden, folgt Emilia ihren Spuren in die Provence und nach Paris, wo sie unter anderem auf Jean-Pierre Roche trifft, der ihre Großmutter gekannt zu haben scheint. Stück für Stück lüftet Emilia so das Geheimnis um ihre Großmutter, wobei sie allerdings mehrfach auf eine harte emotionale Probe gestellt wird. Denn das Leben in Paris im Zweiten Weltkrieg war kein Zuckerschlecken und alle, die dies erlebt haben sind ein Leben lang geprägt davon …

Der Roman, der die Geschichte einer Frau, die aus den Kreisen ihrer Familie verstoßen wurde, erzählt, ist unheimlich realitätsgetreu geschrieben. So erreichte der Duft des Lavendels in „La Lumière“ meine Nase, sowie ich auch mit Sophie durch die Linse ihrer Kamera auf das Paris in den späten Dreißiger Jahren blicken konnte. Die Handlung spielt einerseits in der Gegenwart, andererseits begleitet der Leser unter anderem Sophie aber auch in der Vergangenheit. Der Roman wird im Wechsel aus Emilias, Sophies und Jean-Pierres Sicht erzählt, wodurch sich Stück für Stück die Geschichte um die leidenschaftliche und künstlerische Sophie spinnt.

Mir hat der Roman unheimlich gut gefallen und wieder einmal konnte mich Bettina Storks absolut in ihren Bann ziehen. Wie auch schon bei „Leas Spuren“ stand ich Seite an Seite mit den Protagonisten und es tat mir richtig im Herzen weh, sie am Ende gehen zu lassen.

Auf den Leser warten sowohl Freundschaft, Liebe und Vertrauen, als auch Verachtung, Misstrauen, Ängste und Wut. Und gleichzeitig lernt man „nebenbei“ unheimlich viel über Frankreich zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges und über die Probleme, die Frauen zum Teil hatten.

Mir hat die Mischung aus den historischen Aspekten und den Teilen, die das Leben von zwei Frauen einer Familie, die jede auf ihrer Art für ihre Familie kämpft, beschreiben, sehr gut gefallen, da der Roman somit fesselnd und ergreifend war. Ein absolutes Muss für alle Gefühlsliebhaber!!

Lena

Hättet ihr euch Pauline gegenüber auch so verhalten, wie Sophie es getan hat? Und hättet ihr euch auch manchmal einen Jean-Pierre gewünscht, der euch Lebensweisheiten mitgibt, sowie Emilia sie bekommen hat? Welche hat euch am besten gefallen? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Leas Spuren (Bettina Storks; 2019 – Diana-Verlag)

Leas Spuren (Bettina Storks; 2019 – Diana-Verlag)

Wem würde es nicht ein wenig seltsam vorkommen, wenn er, als Deutscher wohlgemerkt, ein teures Apartment in Paris erben würde, sich dieses aber mit einem ihm unbekannten Franzosen teilen müsste und das Erbe an die Erfüllung einer Bedingung geknüpft wäre?

Die Stuttgarter Historikerin Marie Bergmann erhält im Herbst 2016 eine Einladung zu einer notariellen Testamentseröffnung in Paris, wo sie auf den Franzosen Nicolas Blanc, den Enkel des verstorbenen Victor Blanc, trifft. Beide zusammen erben sie eine teure Wohnung in Paris, die sie allerdings erst ihr eigen nennen dürfen, wenn sie den letzten Wunsch Victors erfüllt haben: Sie sollen ein im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenes Gemälde wiederfinden und es seinem rechtmäßigen Besitzer zukommen lassen. Aber welche Rolle spielt Maries verstorbene Großtante Charlotte in der Geschichte?

Gemeinsam begeben sich Nicolas und Marie auf die Suche nach dem Gemälde. Als Journalist und Historikerin scheinen sie die perfekten Berufe zu haben, dennoch stoßen sie immer wieder auf Granit. Verzweifelt stöbern die beiden durch Berichte aus der Deutschen Besatzungszeit in Paris, tauchen in den systematischen Kunstraub ein und verfolgen die Wege der sogenannten „entarteten“ Kunst.

Auf ihrer Suche nach dem Mädchen im Jardin du Luxembourg stoßen Marie und Nicolas auch auf die Vergangenheit, die ihre Familien verbindet. Die Frage, was der Franzose Victor zur Zeit des Zweiten Weltkrieges mit der Deutschen Charlotte zu tun hatte, beschäftigt sie mindestens ebenso sehr wie das Gemälde. Und warum spricht Maries Großmutter nicht über die Zeit? Weiß sie etwas, was Marie und Nicolas einen großen Schritt voranbringen könnte? Welches Geheimnis verschweigt die Concierge? Und ist es überhaupt möglich, den rechtmäßigen Besitzer nach so langer Zeit zu finden?

Als wären das nicht schon genug Probleme, müssen sich die beiden mit der Zeit auch noch ihren wachsenden Gefühlen füreinander stellen, was die Suche nach Antworten auf Dutzende Fragen nicht gerade einfacher macht.

Die Handlung spielt sich wechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit ab. Abwechselnd wird die Geschichte von Marie und Nicolas sowie von Victor und Charlotte erzählt, wodurch Stück für Stück mehr Teile eines großen Puzzles freigelegt werden. Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, zusammen mit Nicolas und Marie die Spuren ihrer Familien zu entdecken. Zudem war ich fasziniert davon, wie Bettina Storks es geschafft hat, das Thema des Kunstraubs und der Judenverfolgung mit einer Familiengeschichte und gleich zwei Liebesgeschichten zu verbinden.

Genau wie schon bei „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist der Wechsel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit absolut gelungen und der Lesefluss wird dadurch nicht gestört, sondern eher gefördert.

Ich empfehle diesen Roman allen begeisterten Historikern unter den Leseratten. Aber auch Kunstliebhaber kommen auf ihre Kosten, und ein wenig Herzschmerz darf nicht fehlen! Meiner Meinung nach ist es ein rundum gelungener Roman!

Lena 

Habt ihr euch in der Gegenwart bei Marie und Nicolas oder in der Vergangenheit bei Victor und Charlotte wohler gefühlt? Welcher Person fühlt ihr euch am nächsten? Schreibt es in die Kommentare! 😊