Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück (Lilly Bernstein; 2020, Ullstein Taschenbuch)

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück (Lilly Bernstein; 2020, Ullstein Taschenbuch)

Ein Krieg spaltet und schweißt zusammen, lässt die Menschen lieben und hassen, bringt Mut und Angst hervor und selbst in den hoffnungslosesten Momenten sucht jeder nach dem kleinen Schimmer in der Ferne …

Anna wächst in Köln bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias in der Bäckerei auf. In demselben Haus, nur eine Etage weiter oben lebt auch Annas beste Freundin Ruth, mit der sie ihre Nachmittage verbringt. Doch das Jahr 1941 wird Anna immer negativ in Erinnerung bleiben. Erst verschwindet Ruth mit ihrer Familie und Anna findet lediglich den tollen Globus der Familie und Elsbeth, Ruths heiß geliebte Puppe. Und dann wird auch noch Matthias eingezogen und Anna und Marie müssen die Bäckerei alleine führen. Als diese bei einem Luftangriff dann auch noch zerstört wird, scheint alles vorbei zu sein. Um ihre kleine Familie am Leben zu halten, schließt Anna sich einer Schwarzmarktbande an und wird als „Mädchen mit dem Hammer“ beim Kohleklauen bekannt.

Doch auch das hilft nicht viel, als der Winter erbarmungslos über sie hereinbricht und zum unpassendsten Zeitpunkt entdeckt Anna auch noch ihre Liebe zu einem Jungen, der plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. In ihrer größten Not halten Marie und Anna zusammen und glauben an ihren Traum, die Bäckerei wieder aufzubauen. Und Tag für Tag hoffen sie, dass die Männer, die sie lieben, zurückkehren.

Der Roman von Lilly Bernstein hat mich zutiefst beeindruckt, entsetzt und gefesselt. Köln im und nach dem Krieg wird so realitätsgetreu beschrieben, sodass ich von Zeit zu Zeit das Gefühl hatte, mit Anna über den Eigelstein zu laufen und ihre Zigaretten zu tauschen. Besonders faszinierend fand ich, wie stark die beiden Frauen geblieben sind und was sie alles an Rückschlägen einstecken mussten. Doch wo der Krieg Kluften reißt, schweißt er auch zusammen und in der Not entstehen die größten Kräfte. Das hat der Roman mir vor Augen geführt und ich bewundere alle, die dieses Schicksal teilen mussten, auch wenn ich mir die Strapazen glaube ich nicht einmal im Geringsten vorstellen kann. Und doch hat die Autorin mich fassungslos werden lassen und so gerne hätte ich Anna und ihrer Familie in den schwersten Zeiten beigestanden!

Die Geschichte ist erfunden, aber die Autorin hat sich in vielen Details von ihrer Kindheit und Familiengeschichte inspirieren lassen. Dadurch hat sie zum Beispiel den Duft des frisch gebackenen Schwarzbrots haargenau beschreiben können und sogar ich, die nicht in einer Bäckerei aufgewachsen ist, hatte den Duft in der Nase! 😊

Lena

Findet ihr es auch ungeheuerlich, dass sich Kinder wie Anna so gut auf dem Schwarzmarkt behaupten können? Würdet ihr es euch selber zutrauen? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Wolkenschloss (Kerstin Gier, 2017 – Fischer FJB)

Wolkenschloss (Kerstin Gier, 2017 – Fischer FJB)

„Hier stand ich also völlig erschöpft im Schnee, während vom Ballsaal Violinenklänge zu uns hinüberwehten. Um meinen Hals trug ich einen Diamanten von fünfunddreißig Karat, der mir nicht gehörte, und in meinen Armen hielt ich ein schlafendes Kleinkind, das mir ebenfalls nicht gehörte.“ (Fanny in Wolkenschloss)

Fanny Funke ist die etwas tollpatschige 17-jährige Jahrespraktikantin in dem altehrwürdigen Grandhotel Wolkenschloss hoch oben in den Schweizer Bergen. Dort arbeitet sie während der Weihnachtsferien als Kindermädchen für die Kinder der reichen Hotelbesucher. Die Stimmung ist gerade zu diesem Zeitpunkt festlich und es knistert ein bisschen in der Luft, da der große Silvesterball ansteht, zu dem Gäste aus aller Welt anreisen. Zusammen mit dem Hotelierssohn Ben hat sie alle Hände voll zu tun, um die Gäste bei Laune zu halten.

Dabei lernt man die Gäste zwangsläufig etwas näher kennen und besonders sympathisch ist ihr das Ehepaar Ludwig, das immer im Foyer sitzt und sich gerne mit Fanny unterhält. Und befindet sich der legendäre Nadjeschda-Diamant wirklich im Besitz der russischen Oligarchengattin? Außerdem ist da der gutaussehende Tristan aus Zimmer 201, der lieber an der Fassade hochklettert als die Treppe zu benutzen.

Neben all ihren Aufgaben kann Fanny den ganzen Geheimnissen nicht einmal auf den Grund gehen, da immer dann, wenn man ihn nicht braucht, Don, ein besserwisserischer kleine Junge, irgendwelchen Unfug macht, scheinbar nur um Fanny zu ärgern … Und mit wem kann sie über die komischen Vorkommnisse im Hotel reden? Ben traut Tristan nicht und Tristan traut Ben nicht. Da bleibt ihr nur der alte Monsieur Rocher, von dessen Loge sie zudem auch bestens alles beobachten kann, was ihr allerdings auch nicht hilft, als am Silvesterabend plötzlich Kinder verschwinden, auf die sie eigentlich aufpassen sollte …

Was für ein schöner Roman für die Weihnachtszeit! Fanny war mir von Anfang an sympathisch und ich hätte auch gerne mit ihr und den Kindern im Schnee gespielt. Kerstin Gier hat eine wunderschöne Wohlfühlgeschichte geschrieben, obwohl es in der Geschichte nicht immer ganz gemütlich ist. Aber um dem Alltag zu entfliehen und von Urlaub im Schnee zu träumen ist es toll! Wer noch nicht in Weihnachts- / Winterstimmung ist sollte unbedingt diesen Roman lesen, danach wollt ihr euch nur noch mit Kuschelsocken und Kakao ins Wolkenschloss träumen!

Lena

Waren euch Herr und Frau Ludwig auch von Anfang an sympathisch? Und wer hätte hier gerne mit Fanny und Ben die Gäste versorgt und dabei ein bisschen spioniert …? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Die ist die Lösung zu Collage 02.