Felix ever after (Kacen Callender; 2020 – Lyx)

Felix ever after (Kacen Callender; 2020 – Lyx)

Wer bin ich? Eigentlich dachte der 17-jährige Felix Love, dass er diese Frage endlich für sich beantwortet hätte. Er ist ein Junge. Oder etwa nicht? Eine weitere wichtige Frage, die er sich stellt, ist: Bin ich liebenswert? Denn Felix war noch nie verliebt. Was wenn sich nie jemand in ihn verlieben wird?

Felix geht auf eine Kunstschule in New York und sein größter Traum ist es, ein Stipendium für die Brown University zu bekommen. Seitdem seine Mutter ihn und seinen Vater verlassen hat, reicht das Geld nur noch für das Nötigste und ganz sicher nicht dafür, ein Kunststudium zu bezahlen. Aber er hat sich immer noch nicht auf ein Thema für sein Portfolio festgelegt. Das Portfolio soll zeitgleich sein Abschlussprojekt des Schuljahres und seine Bewerbung für die Brown werden, doch mit der Arbeit hat er als einer von wenigen in seinem Acrylmalerei-Kurs noch nicht angefangen …

Dann passiert etwas, das ihn komplett aus der Bahn wirft. Als er morgens in die Schule kommt, muss er feststellen, dass jemand Fotos aus seiner Kindheit aufgehängt hat. Fotos vor seiner Transition. Gemeinsam mit seinem Deadname. Felix ist nämlich transsexuell. Obwohl er stolz darauf ist, möchte er mit seiner Vergangenheit abschließen und am liebsten alles, was ihn an seine Zeit als Mädchen erinnert, aus seinem Leben verbannen. Zum Glück steht ihm sein bester Freund Ezra direkt zur Seite und hängt die Bilder ab. Doch Felix reicht es nicht, dass man sie nicht mehr sieht. Er möchte herausfinden, wer hinter dieser ganzen Sache steckt, und er hat auch direkt schon einen Verdacht: Declan. Declan war mal mit Ezra zusammen und mit Felix befreundet, bis er die beiden von einem Tag auf den nächsten hat hängen lassen und sie seitdem gemein und herablassend behandelt. 

Felix beschließt, Declan eine Falle zu stellen, indem er einen Fake-Account bei Instagram erstellt und Declan anschreibt. Womit er nicht gerechnet hat: Eine ganz andere Seite von Declan zu Gesicht zu bekommen. Einen offenen und gefühlvollen Jungen, mit dem Felix sich stundenlang unterhalten kann. Was soll er davon halten? Auf der Suche nach sich selbst stößt Felix auf viele unerwartete Antworten. 

Felix ever after ist ein unglaublich toller Roman, den meiner Meinung nach alle Jugendlichen lesen sollten. Der Schreibstil ist sehr intensiv und lässt einen die Geschichte hautnah miterleben. Es ist sehr beeindruckend, darüber zu lesen, inwiefern Felix sich hinterfragt und zu welchen Themen er sich Gedanken macht. Zudem wird die Freundschaft zwischen Felix und seinem besten Freund Ezra wunderschön beschrieben und es hat mich sehr fasziniert, wie sehr Felix darüber nachdenkt, ob er überhaupt liebenswert ist. Denn im Alltag erfährt er als PoC (Person of Colour) und transsexueller und queerer Junge viele Anfeindungen, und es beschäftigt ihn täglich, dass seine Mutter die Familie verlassen hat. Auf der anderen Seite gibt es in seinem Freundeskreis viele Jugendliche, die selbst der LGBTQIA+ Community angehören und Felix nicht nur tolerieren, sondern seine Persönlichkeit als selbstverständlich betrachten.

Auch wenn ich mich mit dem Thema schon oft auseinandergesetzt habe, hat dieser Roman bei mir für noch mehr Verständnis und Selbstverständlichkeit gesorgt. Der Autor Kacen Callender ist selbst eine nicht-binäre, transmaskuline Person und wünscht sich, mit diesem Roman Jugendliche zu ermutigen, ihre Identität zu hinterfragen und zu finden. Der Roman ist super aktuell und ich kann allen nur empfehlen, dieses Buch zu lesen.

Majlis

Hat euch Felix’ Geschichte auch so berührt? Kanntet ihr schon alle in dem Roman genannten Informationen zum Thema LGBTQIA+, oder gab es auch Dinge, die neu für euch waren? 

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

True Love – Der magische Augenblick (Conny Redox, Tredition-Verlag, 2021)

„Lebe nach deiner Melodie. Wenn du nach den Noten anderer tanzt, kommst du aus dem Takt.“ (Stefan in True Love)

Die junge Kunsthistorikerin Carlotta verbringt ihren Sommer für einen Sommerkurs in Venedig. Dort trifft sie durch einen Zufall auf den Architekten Stefan und zwischen den beiden funkt es von dem ersten Moment an. Wortwörtlich: Liebe auf den ersten Blick. Stefan lebt auf seiner Segelyacht ‚True Love‘, während er ein Forschungsjahr in Venedig beendet, um danach eigentlich weiter nach New York zu gehen. Doch ist das nicht das einzige Problem zwischen Carlotta und Stefan, denn Carlotta hat ein Geheimnis, von dem sie Stefan auf gar keinen Fall erzählen will, das es ihr allerdings unmöglich macht, ihrem Herzen zu folgen: Sie wurde als Prinzessin geboren und sie weiß, dass ihre Familie Stefan als nicht-adeligen Ehemann nicht dulden würde. Doch wie soll sie sich nun verhalten? Kann sie ihrem Herzen folgen und trotzdem nicht mit ihrer Familie brechen?

Der Roman führt den Leser an verschiedenste Orte, sowohl physisch als auch psychisch. Ob nun in Venedig, in den Bergen Südtirols, in der Millionenstadt New York oder in Paris, der Stadt der Liebe, immer blickt der Leser durch die Augen von Carlotta oder Stefan auf die Hindernisse, die einem jungen Paar durch Traditionen in den Weg gelegt werden können. Conny Redox thematisiert das Thema der Selbstbestimmung, aber gibt auch einen Einblick in alte Adelsbräuche, von denen Carlottas Familie geprägt ist. Lebendig und alltäglich wird die Geschichte durch kurze Einblicke in die Geschichte der Kunst, die die beiden verbindet, gemacht.

„True Love“ gibt dem Leser die Möglichkeit, aus dem Alltag zu fliehen und sich eine Auszeit in Venedig zu nehmen. Dabei kann man wunderbar entspannen, jedoch beschäftigte mich beim Lesen auch, wie es wohl sein mag, einem solchen Druck ausgesetzt zu sein, wie es bei Carlotta der Fall ist und ob man sich lösen kann, wenn man doch von Geburt an von seinem Vater nichts anderes hörte als „Adel verpflichtet und Adel verbindet“. Es macht aber auch zwischendurch einfach Spaß zu lesen, sich nach Venedig auf die ‚True Love‘ zu träumen und sich einfach ein glückliches Selbst vorzustellen.

Von daher kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der Lust auf ein wenig Romantik hat, dem Alltag mal entkommen muss und Spaß an einer leichten Lektüre findet!

Lena

Konntet ihr verstehen, dass Carlotta auf dem Schiff plötzlich solch einen Sinneswandel hatte? Und glaubt ihr, dass ihr mit eurer Familie brechen könntet, um eurem Herzen zu folgen?

Was ist mit uns (Becky Albertalli und Adam Silvera; 2018 – Arctic Verlag)

Was ist mit uns (Becky Albertalli und Adam Silvera; 2018 – Arctic Verlag)

New York – eine Stadt voller Menschen. Jeden Tag begegnet man Tausenden. Da ist es doch eigentlich unmöglich sich wiederzufinden, wenn man nicht einmal den Vornamen des anderen kennt. Oder?

Arthur verbringt den Sommer in New York, um ein Praktikum in der Kanzlei seiner Mutter zu machen. Zusammen mit seinen Eltern lebt er in dieser Zeit in der Wohnung seines pferdeliebhabenden Onkels. Sein großer Traum ist, „Hamilton“ als Broadway Musical zu sehen. Generell ist Arthur eher verträumt, liebt Musicals, ist sehr selbstbewusst, genießt das Leben und vor allem gerade in New York zu sein. Aber nicht alles ist super: Seine Eltern streiten sich pausenlos und sein bester Freund hat zu ihm den Kontakt abgebrochen, seit er sich vor ihm und Arthurs bester Freundin geoutet hat. Nur in dem Gruppenchat der drei verhält er sich normal. Was soll Arthur davon halten?

Bens Leben ist gerade nicht so super: Er hat sich kürzlich von seinem Freund getrennt, der nach einem Streit zwischen den beiden einen anderen geküsst hat. Leider ist er kein Überflieger in der Schule und muss in die Sommerschule gehen – zusammen mit seinem Ex-Freund, der nicht mehr mit ihm redet. Zudem wurde durch die Trennung auch die Freundschaft zwischen Ben, seinem Ex-Freund, und einem anderen getrennten Pärchen zerstört. Das macht Ben stark zu schaffen und er schlägt sich mit der Frage rum, ob es besser gewesen wäre, wenn keiner von den vieren eine Beziehung mit einem der anderen eingegangen wäre, um ihre Freundschaft zu viert zu retten. Was ihm außerdem sehr beschäftigt ist, dass er trotz seiner puertoricanischen Abstammung, zu der er sehr steht, so amerikanisch aussieht.

Als sich die beiden dann zum ersten Mal in New York vor einer Postfiliale begegnen, verstehen sie sich sofort gut. Arthur folgt Ben sogar nach drinnen, obwohl er gar nichts verschicken möchte. Allerdings werden sie nach einer kurzen Unterhaltung durch einen Flashmob-Heiratsantrag getrennt und wissen weder Nummer noch Nachnamen voneinander. Trotzdem wollen die beiden sich unbedingt wiederfinden und starten einige verrückte Suchaktionen. Beispielsweise geht Ben zu einem Treffen für Yale-Anfänger, weil Arthur davon erzählt hat, dass er da anfangen möchte und Arthur findet eine halben Adressaufkleber, den Ben benutzt hatte und sucht daraufhin nach einem Huston, weil der ja Ben, dessen Vornamen Arthur noch nicht einmal kennt, kennen könnte. Doch können sie das wirklich schaffen?

Das Buch ist kapitelweise abwechselnd aus Bens oder Arthurs Perspektive geschrieben, sodass man auch mitbekommt, wie beide zeitgleich nacheinander suchen. Der Roman hat mir sehr gut gefallen, da es sehr süß geschrieben ist und gleichzeitig Sommerferiengefühl vermittelt, aber ich konnte mich auch gut in den Alltagsstress der beiden Jungen versetzten. Zudem zeigt es auf sehr tolle Weise, dass Liebe zwischen zwei Jungs genauso schön sein kann, wie bei einem Hetero Pärchen.  Vielleicht ist es als Liebesgeschichte in einem Roman sogar besser, da das Buch toll ist, ohne extrem kitschig zu sein.

Majlis

Wen fandet ihr sympathischer? Ben oder Arthur? Habt ihr auch schonmal versucht jemanden wiederzufinden, den ihr kaum kennt? Schreibt es in die Kommentare 🙂