Die Klänge der Freiheit (Tara Haigh, November 2021, Tinte & Feder)

Die Klänge der Freiheit (Tara Haigh, November 2021, Tinte & Feder)

Wie klingt Krieg? Wie klingt Frieden? Und wie klingt Freiheit?

Die junge Frau Inge aus Nürnberg tritt 1943 ihren Dienst als Schwester des Deutschen Roten Kreuzes im Dienst der Wehrmacht zum Missfallen ihres Vaters an. Entgegen ihrem Wunsche, nach Nordafrika versetzt zu werden, muss sie in das Lazarett in Charkow, ein Ort, der an der Ostfront von Deutschen und Russen umkämpft wird. Die passionierte Geigenspielerin kämpft dort Tag und Nacht für das Leben der Soldaten und lernt die Grausamkeit des Krieges mit aller Härte kennen. Nach einiger Zeit eröffnet ihr der deutsche Offizier Preuss die Möglichkeit, mit ihm nach Italien zur Abtei Montecassino zu gehen und Inge ergreift die Chance, dem Kriegslazarett zu entkommen. Doch sie ist sich nicht ganz sicher, inwiefern sie Preuss, der offen um sie wirbt, trauen kann, denn obwohl er ein Kunstkenner ist und ihr Geigenspiel zu schätzen weiß, ist er Nationalsozialist und sein einiges Ziel ist der Endsieg.

Inge muss sich entscheiden. Kann sie dem Offizier, der ihr eventuell das Leben gerettet hat, trauen? Entscheidungen über Entscheidungen zwischen Liebe und Verrat und Zukunft und Vergangenheit …

Der Roman ist aus der Sicht von Inge erzählt, jedoch ist nicht sie es, die spricht. Man bekommt als Leser so aber einen tiefen Einblick in Inges Gedanken, Hoffnungen und Träume. Die Geschichte könnte man in zwei Teile teilen – zunächst die Zeit in Charkow, anschließend ihr italienisches Leben. In Charkow werden das Lazarett, die Vorgänge, die Probleme, die Verzweiflung und die Hoffnung sehr eindrücklich beschrieben, sodass man als Leser den Eindruck hat, dabei zu sein. Und auch in Italien spürt man den Sonnenschein auf der Haut, aber auch die Angst, die Wut und die Kraft der Menschen bleiben einem nicht verborgen.

Mir haben diese realistischen Schilderungen Inges‘ Leben besonders gut gefallen und so schwer es auch war, mit ihr im Lazarett zu operieren, so sehr konnte ich mich dann aber auch freuen, wenn sie jemanden retten konnte. An Preuss habe ich schon die ganze Zeit zu knapsen gehabt. Sollte sie ihm trauen? War es richtig, dass sie ihm nach Italien gefolgt ist? Ich war bis zum Ende unentschlossen, habe aber meine Antwort letztendlich aus unerwarteten Gründen gefunden …

Ich kann diesen Roman allen Lesern empfehlen, die sich für die medizinische Seite des Krieges interessieren. Was passierte hinter den Kulissen? Wie war so ein Lazarett strukturiert. Und dann – was für eine Beziehung herrschte zwischen Deutschland und Italien? Die Antworten auf diese Fragen findet ihr in dem Roman und es lohnt sich wirklich!

Lena

Der Roman beschäftigt sich immer wieder mit Klängen. Es geht um Krieg, Frieden und Freiheit. Aber kann man diese Gefühle hören? Und wo trifft man auf diese Geräusche? Kennt ihr sie? Wie stellt sie ihr euch vor? Teilt und das gerne mit, ich hatte vor dem Lesen dieses Buches auch andere Vorstellungen, als es dann war.

Antwortet uns auf diese Fragen und teilt uns bis Sonntag, den 28.11.2021 mit, was für Vorstellungen ihr im Kopf habt! Denn dann landet euer Name gleich im Lostopf für – ein Gewinnspiel! Ja genau, wir verlosen ein Exemplar! Also los, wir sind gespannt! 🙂

Ihr könnt diese ganze Woche noch Beiträge rund um diesen Roman auf folgenden Blogs finden: denkzeiten.com, fraugoetheliest.wordpress.com, tesbuecherblog.blogspot.de, spiegelseelen.blogspot.de, kunterbuntebuecherreisen.wordpress.com

Auerhaus (Bov Bjerg; 2015 – atb)

Auerhaus (Bov Bjerg; 2015 – atb)

„Die Zeit im Auerhaus, das sei seine schönste Zeit gewesen. Das hat er in das Buch geschrieben“

Höppner, Frieder, Vera, Cäcilia, Pauline und Harry – die Bewohner des Auerhauses.

1982 – Höppner muss mal von zu Hause weg. Er kann den neuen Freund seiner Mutter einfach nicht mehr ertragen. Da kommt ihm Frieder gerade recht. Frieder hatte versucht sich umzubringen und kam danach in die Psychiatrie am Rand der Stadt. Jetzt wurde er entlassen, aber er möchte auf keinen Fall wieder zu Hause einziehen. Eine WG mit Höppner bietet sich an. Da dieser aber nicht alleine für Frieder verantwortlich sein möchte, zieht auch Vera mit ein. Die wiederum möchte aber nicht das einzige Mädchen sein und nimmt ihre Freundin Cäcilia mit. Als dann Pauline, Frieders Freundin aus der Psychiatrie, entlassen wird, wird sie auch Mitglied der WG. Woher Harry kommt, weiß keiner so genau, aber eines Tages war er halt auch irgendwie dabei. 

Die Jugendlichen genießen ihre Freiheit: Schmeißen Partys, werden zu Kleinkriminellen und essen nach einem Knoblauch-Unfall drei Wochen lang Tzaziki. Doch es gibt auch die andere Seite der Auerhausbewohner, wenn sie in langen Gesprächen über Gott und die Welt, Leben und Tod philosophieren. Wie funktioniert die Liebe? Was macht man nach der Schule? Wie ist es zu sterben? Und zwischen all den anderen Fragen steht immer wieder die eine im Raum: Wird Frieder es nochmal versuchen?

Dieser Coming-of-Age Roman hat mir echt gut gefallen. Inhaltlich hat die Geschichte mich an „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf erinnert. Der Roman ist mit Witz geschrieben und  Bov Bjerg ist es gut gelungen, auch über schwierige Themen sehr klar und verständlich zu schreiben. Zwischendrin fand ich es etwas anstrengend, da ich mich mit keinem der Charaktere gut identifizieren konnte, aber es hat trotzdem Spaß gemacht, von ihren Erlebnissen und Gesprächen zu lesen. Besonders die verrückten Aktionen der Sechs haben mich zum Lachen gebracht. Ich kann den Roman allen Jugendlichen und „Tschick“- Fans empfehlen.

Majlis

Wen der Sechs mochtet ihr am liebsten? Habt ihr schon mal in einer WG gewohnt, bzw. würdet ihr das gern?

Kiss me once (Stella Tack; 2019 – Ravensburger Verlag gmbH)

Kiss me once (Stella Tack; 2019 – Ravensburger Verlag gmbH)

Ein verbotener Kuss schmeckt gleich viel süßer … Aber was, wenn er wirklich so richtig verboten ist und sich jemand mit gesundem Menschenverstand auch aus guten Gründen daran halten würde …? Tja, der gesunde Menschenverstand wird bei Ivy und Ryan vielleicht das ein oder andere Mal von der Liebe verdrängt …

Ivy Redmond ist die Tochter eines stinkreichen Unternehmers und freut sich riesig auf ihr erstes selbstständiges Jahr an ihrer frei gewählten Uni in Florida. Damit ihr Vater sie überhaupt gehen ließ, ist sie dort inkognito und muss sich auf einen Bodyguard einlassen, da auf dem Campus niemand sie erkennen soll, geschweige denn ihr etwas tun darf.

Ryan McCain ist ihr Secret Bodyguard. Er tritt als der klassische Bad Boy auf – trägt Piercings, ist tätowiert und scheint ein Geheimnis zu haben. Ihm liegt sehr viel daran, seinen Job als Ivys Bodyguard gut zu machen, da dies sein erster Job ist und er seinem Vater beweisen will, dass es die richtige Entscheidung war, das Studium zu schmeißen. Außerdem sieht er extrem heiß aus …

Ivy reist zwei Tage vor ihrer geplanten Anreise an die Uni und lernt einen ihr sehr sympatischen Jungen kennen, mit dem sie sich auf Anhieb gut versteht. Dass dieser junge Mann Ryan ist, merken die beiden leider viel zu spät, da auch er keine Ahnung hatte, dass er mit seiner Klientin ausgegangen ist … Als der erste Schock über das gegenseitige Erkennen überwunden ist, müssen sie sich mit ihrer Situation arrangieren. Ryan versucht verzweifelt, sich bei seinem Job nicht von seinen Gefühlen für Ivy beeinflussen zu lassen und Ivy kämpft dafür, ihr eigenes freies Leben zu führen. Es gibt Momente, wo beide zu vergessen scheinen, dass für Ryan sein Job auf dem Spiel steht und für Ivy ihre Freiheit …

Als ein angehender Journalist auf Ivy aufmerksam wird, läuft die Situation aus dem Ruder und nicht nur ihre Gefühle füreinander werden auf eine harte Probe gestellt … Ivy wird nach Hause beordert und Ryan muss um seinen Job fürchten – allerdings aus mehreren Gründen …

Doch sind die beiden sich wirklich sicher, was sie wollen? Können Ivy und Ryan für immer das Leben leben, das aus den familiären Umständen hervorgeht? Und wenn nicht – können die beiden sich einen Wunsch erfüllen, ohne dabei ihre Träume aufzugeben?

Stella Tack hat eine wunderbare Liebesgeschichte geschrieben, in die sich der ein oder andere jugendliche Leser vielleicht sehr gut hineinversetzten kann. Wer träumt nicht wie Ivy davon, auf eigenen Füßen zu stehen? Die Autorin lässt die Geschichte wechselnd von Ivy und Ryan erzählen, wodurch man als Leser einerseits in die Rolle der neugierigen, sturen und reichen Ivy schlüpft, als auch in die Rolle des pflichtbewussten, attraktiven und ein wenig geheimnisvollen Ryan. Außerdem bekommt man Einblicke in eine Welt des Reichtums und was das für Kinder aus reichem Hause bedeutet, wenn sie selber erwachsen werden. Stella Tack arbeitet viel mit Jugendsprache, was den Roman auf eine Art und Weise persönlicher macht. In meinen Augen macht der Roman richtig Lust aufs Studieren, aber gleichzeitig wird man ein bisschen vor den Gefahren bei zum Beispiel wilden Partys gewarnt …

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und kann ihn allen jungen Lesern empfehlen, die gerne in die College-Welt eintauchen und in einer Liebesgeschichte versinken!

Lena

Hättet ihr gedacht, dass Alex sich am Ende als so hilfreich entpuppen würde? Und wie hättet ihr euch an Ryans Stelle verhalten? Hättet ihr euren Traumjob im Blick behalten können, auch wenn ihr dafür in eurem Privatleben beeinflusst seid? Schreibt es in die Kommentare! 😊

Alle Toten fliegen hoch – Amerika (Joachim Meyerhoff; 2011 – Kiepenheuer&Witsch)

Alle Toten fliegen hoch – Amerika (Joachim Meyerhoff; 2011 – Kiepenheuer&Witsch)

Wenn man als 18-jähriger Norddeutscher einen Trip nach Hamburg als Abenteuer empfindet, sollte man dringend mal raus kommen. Das denkt sich 1985 auch Joachim Meyerhoff und beschließt, ein Jahr in Amerika zu verbringen. 

Nachdem er bei einem Vorbereitungstreffen für das Auslandsjahr in Hamburg, einer Eingebung folgend, den Bewerbungsbogen mit falschen Informationen ausgefüllt hat, wird er tatsächlich angenommen und landet schließlich in dem kleinen Ort Laramie, Wyoming, in einer strenggläubigen Familie mit drei Söhnen.

Zuerst fällt es ihm schwer, sich in dem Land mit der fremden Sprache zurechtzufinden, doch nach und nach lernt er immer mehr, sich anzupassen. Seine Gasteltern sind sehr freundlich zu ihm, nur der jüngste Sohn, der als einziger noch mit im Haus wohnt, scheint etwas gegen ihn zu haben und macht ihm das Leben schwer.

Voller Neugier und Lust am Skurrilen stolpert Joachim in lauter verrückte Aktionen, wie zum Beispiel einen Besuch im Gefängnis mit seinem ehemaligen Lehrer oder Whirlpoolparties hoch in den Bergen. Als er sich gerade eingewöhnt, neue Freunde gefunden, beim Basketballspielen Fuß gefasst hat und von den meisten Schülern nur noch „German“ genannt wird, ereilt ihn die Nachricht eines Todesfalls in seiner Familie. Voller Trauer fliegt er zur Beerdigung nach Deutschland zurück. Doch dort hat er das Gefühl, von der Trauer der anderen Familienmitglieder erdrückt zu werden. Seine gerade neu gewonnene Freiheit wird ihm direkt wieder genommen. Kann er seine Familie im Stich lassen und in sein freies amerikanisches Leben zurückkehren?

Der Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff schreibt rückblickend über seine eigene Jugend. Dieses Buch und auch die nachfolgenden Bände haben mich sehr gefesselt. Es fällt mir schwer zu beschreiben, woran das lag. Vielleicht an der perfekten Mischung aus lustig und ernst? Zudem schreibt er sehr ehrlich und man hat das Gefühl, dass er nichts vor einem verbergen möchte. In jedem Fall hat Joachim Meyerhoff einen unglaublich tollen Schreibstil, der einen in den Bann zieht. Man kann sich dadurch, dass er in der Ich-Perspektive schreibt, gut in ihn hineinversetzten. Was mir zusätzlich sehr gut gefallen hat, war seine Art, beim Schreiben zwischendurch immer wieder abzuschweifen und kurze Anekdoten aus seiner Kindheit mit einzubringen, ohne dass man das Gefühl hat, dass die Handlung unterbrochen wird. 

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die selbst mal ein Auslandsjahr machen wollen, aber auch allen anderen, weil es einfach ein toller Roman ist ; )

Majlis

Hat euch sein Schreibstil auch so gut gefallen? Wart ihr schon mal in Amerika? Schreibt es in die Kommentare 🙂