Alle Toten fliegen hoch – Amerika (Joachim Meyerhoff; 2011 – Kiepenheuer&Witsch)

Wenn man als 18-jähriger Norddeutscher einen Trip nach Hamburg als Abenteuer empfindet, sollte man dringend mal raus kommen. Das denkt sich 1985 auch Joachim Meyerhoff und beschließt, ein Jahr in Amerika zu verbringen. 

Nachdem er bei einem Vorbereitungstreffen für das Auslandsjahr in Hamburg, einer Eingebung folgend, den Bewerbungsbogen mit falschen Informationen ausgefüllt hat, wird er tatsächlich angenommen und landet schließlich in dem kleinen Ort Laramie, Wyoming, in einer strenggläubigen Familie mit drei Söhnen.

Zuerst fällt es ihm schwer, sich in dem Land mit der fremden Sprache zurechtzufinden, doch nach und nach lernt er immer mehr, sich anzupassen. Seine Gasteltern sind sehr freundlich zu ihm, nur der jüngste Sohn, der als einziger noch mit im Haus wohnt, scheint etwas gegen ihn zu haben und macht ihm das Leben schwer.

Voller Neugier und Lust am Skurrilen stolpert Joachim in lauter verrückte Aktionen, wie zum Beispiel einen Besuch im Gefängnis mit seinem ehemaligen Lehrer oder Whirlpoolparties hoch in den Bergen. Als er sich gerade eingewöhnt, neue Freunde gefunden, beim Basketballspielen Fuß gefasst hat und von den meisten Schülern nur noch „German“ genannt wird, ereilt ihn die Nachricht eines Todesfalls in seiner Familie. Voller Trauer fliegt er zur Beerdigung nach Deutschland zurück. Doch dort hat er das Gefühl, von der Trauer der anderen Familienmitglieder erdrückt zu werden. Seine gerade neu gewonnene Freiheit wird ihm direkt wieder genommen. Kann er seine Familie im Stich lassen und in sein freies amerikanisches Leben zurückkehren?

Der Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff schreibt rückblickend über seine eigene Jugend. Dieses Buch und auch die nachfolgenden Bände haben mich sehr gefesselt. Es fällt mir schwer zu beschreiben, woran das lag. Vielleicht an der perfekten Mischung aus lustig und ernst? Zudem schreibt er sehr ehrlich und man hat das Gefühl, dass er nichts vor einem verbergen möchte. In jedem Fall hat Joachim Meyerhoff einen unglaublich tollen Schreibstil, der einen in den Bann zieht. Man kann sich dadurch, dass er in der Ich-Perspektive schreibt, gut in ihn hineinversetzten. Was mir zusätzlich sehr gut gefallen hat, war seine Art, beim Schreiben zwischendurch immer wieder abzuschweifen und kurze Anekdoten aus seiner Kindheit mit einzubringen, ohne dass man das Gefühl hat, dass die Handlung unterbrochen wird. 

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die selbst mal ein Auslandsjahr machen wollen, aber auch allen anderen, weil es einfach ein toller Roman ist ; )

Majlis

Hat euch sein Schreibstil auch so gut gefallen? Wart ihr schon mal in Amerika? Schreibt es in die Kommentare 🙂

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