Die Welle (Morton Rhue – 1981 – Ravensburger Verlag)

„Sie hatten doch ihre eigenen Augen und ihren eigenen Verstand. Sie konnten selber denken. Niemand befolgt doch blind solche Befehle!“ (Zitat von Laurie aus „Die Welle“) – „Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!“ (Zitat aus „Die Welle“) Kann das die Antwort sein?

In seinem Geschichtsunterricht schaut Ben Ross mit seinem Kurs einen Film über die Geschehnisse in den Konzentrationslagern in Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Die Klasse ist zutiefst berührt von den Bildern und es lässt sie nicht los, dass Menschen zu solchen Taten in der Lage sind. Die Fragen seiner Schüler ließen den Lehrer den ganzen Tag lang nicht mehr los und er stellte sich die Frage, wie er ihnen beantworten konnte, warum sich Menschen so verhalten haben. Warum Menschen in der Lage waren, andere Menschen wegen ihrer Herkunft, wegen ihres Glaubens oder wegen einer speziellen Meinung zu verurteilen.

So beschloss er, mit seinen Schülern ein Experiment zu machen, in dem er sie in die Situation eines Soldaten brachte. Sie mussten im Unterricht stramm sitzen, aufstehen wenn sie etwas sagen wollten und kurze schnelle Antworten geben. Disziplin nannte Ross dies. Außenseiter wurden integriert, denn von nun an war jeder gleich. Gemeinschaft nannte Ross dies. Andere Schüler wurden animiert, der Welle, wie sich die Gruppe nannte, beizutreten. Handeln nannte Ross dies.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Ben Ross mit seinem Experiment etwas Wunderbares geschaffen hat, denn alle schienen gleich zu sein und keiner stach mehr aus der Gruppe heraus, ob positiv oder negativ.

Doch ist dieses Experiment wirklich ein Erfolg? Laurie Saunders, die Chefredakteurin der Schülerzeitung, hat ihre Zweifel, als sie von immer mehr Schülern zu hören bekommt, dass sie gezwungen werden, sich der Welle anzuschließen … Was kreiert der junge Lehrer da in der Schule? Und was will er damit bezwecken? Hat er überhaupt eine Ahnung, was dort gerade passiert?

Morton Rhue hat wunderbar das Problem des Gruppenzwangs in Worte gefasst. Zudem thematisiert er das Streben nach Dazugehörigkeit und Gleichheit, was unter Schülern sehr ausgeprägt sein kann. Auch ich habe mir schon das ein oder andere Mal die Frage gestellt, wie es möglich gewesen sein kann, dass Menschen zu Zeiten des Nationalsozialismus solch schreckliche Taten gemacht haben. Dieses Buch liefert eine Art Antwort. Es rechtfertigt nicht, was damals geschehen ist, aber es legt offen, wie diese Gruppendynamik funktioniert hat und wie es möglich war, ein ganzes Volk unter seine Gewalt zu reißen.

Lena

Glaubt ihr, ihr hättet euch der Welle angeschlossen? Und findet ihr gut, dass Laurie sich treu bleibt und versucht, ihren Standpunkt zu vertreten? Schreibt es in die Kommentare! 😊

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