Das Blatt des dunklen Herzens (Karolyn Ciseau; 2018 – unabhängig veröffentlicht)

Wie würdest du reagieren, wenn dein Bruder Selbstmord begeht, um dich zu beschützen, dich damit aber in ein Spiel schickt, wo du nur gewinnen kannst oder für immer verloren gehst? In diese Situation gerät Feye, die sich dem letzten Wunsch ihres Bruders beugt und das Spiel der vier Farben an seiner Stelle antritt.

Im Reich Tenebris wohnen vier Gruppen von Wesen: die Wandler, die in der Farbe des Karos spielen und ihre menschliche Gestalt in die eines Tieres verwandeln können, die Magier, die das Pik repräsentieren und Macht über die Gedanken haben, die Elfen, die das rote Herz auf ihren Uniformen tragen und in der Lage sind, die Gefühle ihrer Mitmenschen zu erkennen und die Menschen, auf deren Wappen das Kreuz zu finden ist und die sich lediglich durch ihre Kraft auszeichnen.

Zur Wahl eines neuen Königs wird alle fünfzig Jahre das Spiel der vier Farben ausgetragen, in das die vier mächtigsten Fürstenhäuser ihre männlichen Erstgeborenen schicken. Im Spiel der vier Farben durchlaufen die Kandidaten eine Welt, in der sie sich vier Prüfungen und tödlichen Gefahren stellen müssen. Wer alle vier Aufgaben meistert, wird der neue König. Die anderen Teilnehmer sind verdammt, im Spiel zu bleiben …

Diesen Weg geht auch Feye, eine Elfe, die anstelle ihres Zwillingsbruders Kjell in das Spiel eintritt. Kjell nahm sich unmittelbar bevor das Spiel begann das Leben, da er erstens seine geliebte Schwester vor der Macht ihres Vaters beschützen wollte und zweitens bei Feye mehr Chancen zu gewinnen sah als bei sich. Hatte er vielleicht auch Angst?

Im Spiel der vier Farben bereut Feye schnell, es betreten zu haben, da sie sich neben den Prüfungen auch vor den grausamen Wesen fürchten muss, die sie auflauern. Zudem macht sich der unheimlich attraktive Dunkelmagier Ares, der den Ruf eines Mörders hat, da er den eigentlichen Kandidaten der Magier umgebracht haben soll, um selbst teilzunehmen, zu ihrem Wegbegleiter. Nachdem er das Geheimnis um ihre Identität aufgedeckt hat, gerät Feye in einen Strudel aus Gefühlen – Angst, Verzweiflung, Wut, Entschlossenheit, Liebe und Vertrauen …

Der Roman wurde aus Feyes Perspektive geschrieben und mir fiel es leicht, mich in Feye hineinzuversetzen und das Spiel der vier Farben aus ihren Augen zu sehen. Die Sprache ist leicht verständlich und das Buch liest sich flüssig, da es durchgehend einen klaren Handlungsstrang gibt.

Karolyn Ciseau hat es geschafft, mich in eine der Kandidaten zu verwandeln. Während des Lesens befand ich mich an der Seite von Feye im Spiel der vier Farben, habe mit ihr gezittert, gekämpft und geliebt. Mich hat fasziniert, wie die Autorin es geschafft hat, gleich zwei Welten mit allen ihren Bewohnern, Landschaften und Lebensweisen zu kreieren, die der unseren so fremd sind. Am Ende des Buches bin ich selber Teil der Geschichte geworden und habe es nur widerwillig aus der Hand gelegt …

Leser, die sich beim „Herrn der Ringe“ in Mittelerde wohlgefühlt haben oder mit Meggie durch die Tintenwelt gelaufen sind, werden sich auch in den Bann des Spiels der vier Farben ziehen lassen. Für alle Romantiker unter euch – natürlich gibt es auch eine Lovestory, allerdings nicht ohne Hindernisse … 😉

Lena

Was habt ihr gefühlt, als Feye ihren toten Bruder gefunden hat? Und habt ihr, so wie Feye, auch die Beine in die Hand genommen als der Wandler euch im Wald der Gefühle überraschte? Schreibt es in die Kommentare! 🙂

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